euryclia: Aufbau einer Community rund um das per Crowdfunding finanzierte Buch „Universalcode“

Beschreibung des Akteurs

euryclia ist eine Internetplattform, auf der der Leser entscheidet, was zum Buch wird. Und zwar über ein Subskriptionsmodell. Kommt eine bestimmte Anzahl an Vorbestellungen für ein Manuskript/Buchprojekt zusammen, dann wird dieses Buch professionell produziert. Der Leser wird über seine Vorbestellung des Buches zum „Micro-Verleger“. Das ist also ein Crowdfunding-Ansatz, der auf uralten Gepflogenheiten der Buchbranche basiert.

euryclia kanalisiert das Leserinteresse bereits vor und während der Buchentstehung, aber auch noch darüber hinaus, wenn das Buch tatsächlich erschienen ist. euryclia agiert dabei als Enabler der Autoren – die Rechte an den Texten bleiben folgerichtig bei den Autoren – und gibt ihnen Konzepte und Werkzeuge an die Hand, um ihr Buchprojekt erfolgreich auf den Weg zu bringen.

Jedes Buchprojekt ist anders. Es geht darum, für dieses „Anders-sein“ ein spezifisches Konzept zu erarbeiten und eine Auswahl zu treffen aus den vielen Tools und Möglichkeiten, die online wie offline zur Verfügung stehen, so dass das Potential einer speziellen Buch-Idee tatsächlich gehoben werden kann.

Praktiziert wird dieser Ansatz derzeit an dem Buchprojekt “Universalcode”. Der Universalcode ist ein (Sach- /Fach-)Buch über die Frage, wie das Internet den Journalismus verändert. Christian Jakubetz postete letzten Herbst auf seinem Blog, dass man so ein Buch mal machen müsste. Kurz drauf haben sich mehrere Mitstreiter gefunden, inzwischen sind es 18 Journalisten, die zusammen dieses Buch schreiben. Darunter z.B. Ulrike Langer, Markus Hündgen, Richard Gutjahr, Dirk von Gehlen – um nur ein paar Namen zu nennen.

Natürlich wollen die Autoren ein spannendes und fundiertes Buch machen. Aber mit dem fertigen Buch hört dieses Projekt nicht auf. Ziel ist es, über das Erscheinen des Buches hinaus eine Community zu den Themen des Universalcodes aufzubauen.

Beschreibung der Marketing-Maßnahme

Das Spannende an dem Modell von euryclia ist, ein Buch zu verbreiten und zu verkaufen, das es noch gar nicht gibt. Also eine Buch-Idee zu “verkaufen”. Und das, während nebenan die Regale voll stehen mit Büchern, die real und sofort zu haben sind.

Warum ist das nicht nur spannend, sondern auch erfolgversprechend? Weil Ideen immer etwas Ansteckendes und Elektrisierendes haben. Vorausgesetzt man lässt die Leute tatsächlich an der Idee und ihrer (Weiter-)Entwicklung teilhaben. Genau das machen wir beim Universalcode.

Seit dem Start des Projektes postet Christian Jakubetz die gesamte Entwicklung des Universalcodes auf seinem JakBlog. Von der Idee, so ein Buch zu machen, über die Vorstellung der einzelnen Autoren, die Darstellung erster Thesen und dann ganzer Exposés, bis hin zu den Leseproben und z.T. kompletten Kapiteln kann die Entstehung des Universalcodes mitverfolgt werden. Inzwischen sind wir bei “Update 44”. Da geht es nicht nur um Infos. Es werden auch wichtige inhaltliche, wie organisatorische Fragen zur Diskussion gestellt. Die Zielgruppe diskutiert und entscheidet mit.

Um den Prozess der Buchentstehung auch plastisch vor Augen zu führen, nutzen wir das Widget von book2look, in das wir stetig neue Leseproben und Kapitel einbinden. So kommen wir gemeinsam mit den Lesern dem endgültigen Universalcode Schritt für Schritt näher, und das in der Optik eines tatsächlichen Buches. Der Leser ist “live” dabei. Er kann die Entwicklung von der Idee zum Manuskript, bis hin zum fertigen Buch mitverfolgen. Das Widget des Universalcodes ist also kein Werbemittel, um ein Produkt/Buch zu bewerben, es ist ein Kommunikations- und Arbeitstool, um die Entwicklung transparent zu machen.

Entscheidend ist, dass diese Kommunikation nicht nur auf JakBlog oder euryclia stattfinden kann, sondern mit dem Widget an jedem beliebigen Ort im Netz. Das Widget zum Universalcode kann ganz leicht in Blogs und Websites eingebunden werden (und bleibt doch über die Warenkorbfunktion mit euryclia verbunden). Jeder, der sich für den Universalcode interessiert und ihn unterstützen möchte, kann ihn auf seine Seite bringen. Das ist für den Universalcode sehr interessant, da viele Leser der engeren Zielgruppe – also Journalisten und solche, die es werden bzw. bleiben wollen – selbst Blogs betreiben. Meist auch zu journalistischen Themen. Diese Blogs sprechen also wieder Leute an, die zur engeren Zielgruppe des Universalcodes gehören.

Natürlich haben das Widget zuerst die “eigenen” Websites und Blogs eingebaut: euryclia, JakBlog (Christian Jakubetz), medialdigital (Ulrike Langer), usw. Es gab auch einige andere Blogs, die das Widget sofort eingebunden haben – einfach weil sie den Universalcode (der übrigens damals noch “Das Journalistenbuch” hieß) und die Art, wie er zustande kommt, gut fanden.

Anderen Blogs wollten wir einen Anreiz geben. Etwas, das für viele aus der Zielgruppe interessant ist. Dieser Anreiz ist eine Einladung zur Buchpremierenparty. Eine Party, auf der Autoren und einige Leser zusammen das Erscheinen des Buches feiern, also ihren gemeinsamen Erfolg. Eine Party! Ist das wirklich ein Anreiz? Zum Start der Vorbestellungsphase (Mitte Januar) teilten wir mit, dass die ersten 50 Leute, die das Buch vorbestellen, zur Party eingeladen werden. Es hat keine Stunde gedauert bis die ersten 50 beisammen waren. Danach gingen die Bestellungen zunächst viel langsamer ein. Das war für uns der “Hinweis”, dass diese Party für die Zielgruppe interessant ist.

Eigentlich klar, dass sich angehende Journalisten und Profis, die was dazulernen wollen, gerne mit den Buchautoren, die in ihren Bereichen einen Namen haben, vernetzen wollen. Diese Partyeinladung hat die Verbreitung des Widget ungemein gefördert. Inzwischen ist ein anderer Effekt dazugekommen – nämlich die Empfehlung untereinander. Dieses Widget in “befreundeten” Blogs und solchen, die man als Leser gut findet, wirkt natürlich wie eine Empfehlung. “Der Blog, den ich gut finde, unterstützt den Universalcode, also das schau ich mir mal an und wenn ich´s auch gut finde, binde ich das Ding auch bei mir ein.” So in etwa lässt sich dieser “Empfehlungs-Mechanismus” zusammenfassen, einfach nur weil das Widget in einem bestimmten Blog eingebunden ist. Da spricht dann kein Autor und sagt, wie toll der Universalcode werden wird, wenn er mal fertig geschrieben ist. Und da spricht nicht irgendein Verlag, der ohnehin nur ein Buch verkaufen will – so die manchmal skeptische Wahrnehmung der Leser. Es sprechen Leser, die eine Idee unterstützen.

Dieses “Sprechen” der Leser erleben wir interessanterweise momentan auch noch auf anderem Wege: und zwar über “Twitterbestellungen”. Da twittern also die Leser, dass sie hiermit ein Exemplar des Universalcodes bei uns bestellen und sie teilen es damit nicht nur uns, sondern all ihren Followern mit. Es geht den Lesern also vielfach nicht nur darum das Buch zu kaufen und zu unterstützen, sondern diese Unterstützung auch öffentlich zu machen, es anderen kundzutun. Das trägt natürlich alles dazu bei, dass sich der Universalcode immer weiter herumspricht.

Warum war die Maßnahme aus Ihrer Sicht erfolgreich?

“Da haben sogar unsere Entwickler in Mumbai gestaunt”, schreibt book2look im Newsletter 01/2011. Und: “Da bleibt uns nur eines zu sagen: Glückwunsch an das Team von Euryclia, die bewiesen haben, welches Potential im Web und in einem book2look-Biblet steckt.”

Wir sagen Danke für dieses Kompliment und freuen uns über das bisher Erreichte: Denn inzwischen gibt es auf euryclia genug verbindliche Vorbestellungen, dass die Herstellung des Buches bereits finanziert ist. Das Subskriptionsmodell von euryclia hat funktioniert. Viele haben sich von der Buch-Idee schon anstecken lassen und sich als Micro-Verleger engagiert. Der Universalcode wird im Sommer erscheinen. Und dann gibt´s endlich die Party, auf die sich die Autoren und viele der Leser schon freuen.

Auch die Community wächst und sie wird über das Widget und jeden weiteren Blog, der es einbaut, im Netz sichtbarer. Man kann also bei der Entstehung dieser Community tatsächlich zuschauen. Toll ist, dass es inzwischen zu tatsächlichen “viralen Effekten” kommt. Die Blogs, die das Widget neu einbauen, holen es sich nicht mehr auf JakBlog oder einem anderen Blog der Autoren, auf euryclia oder book2look. Es verbreitet sich inzwischen von Blogs weiter, die wir vorher gar nicht kannten. Der Universalcode erreicht damit Leser, zu denen weder die Autoren, noch euryclia bisher direkten Zugang hatten.

Können Sie Zahlen nennen?

Auf das Widget kamen inzwischen (in 3 Monaten) über 140.000 Views zustande. Das heißt nicht, dass die Leseproben 140.000 Mal von vorne bis hinten gelesen worden wären. Das heißt auch nicht, dass es tatsächlich 140.000 unterschiedliche Personen waren, die da drauf geklickt haben. Es heißt lediglich, dass es echt viele waren, die sich für den Universalcode schon interessiert haben.

Um die Zahl einzuordnen: über 100 Verlage nutzen das book2look-Widget. Bisher gibt es Biblets zu ca. 15.000 Büchern. Der Universalcode ist auf Platz 1 des View-Rankings. Auf Platz 2 mit über 40.000 Views steht Adler-Olsens “Schändung” von dtv, also ein Bestseller. So toll sich diese Zahl anhört, für uns ist sie gar nicht mal so wichtig. Sie zeigt nur, dass wir mit unserem Konzept auf dem richtigen Weg sind. Ausschlaggebend ist, wie stark sich das Widget im Internet verbreitet. Derzeit haben es 111 Blogs eingebunden. Im Schnitt kommt jeden Tag ein weiteres Blog dazu. Das ist eine tolle und für uns sehr wichtige Entwicklung.

Ausblick: Wie ging’s/geht’s weiter?

Wir wollen im nächsten Schritt jedem Blog, von dem aus über das Widget ein Exemplar des Universalcodes bei uns bestellt wird, eine Provision geben. Als Anerkennung des Beitrags, den der einzelne Blog zum Erfolg des Universalcodes leistet. Der Universalcode baut sich auf diese Weise seinen ganz eigenen Vertriebsweg auf. Leser und Autoren regeln das einfach unter sich. In einer ganz eigenen Community nur für den Universalcode. Und wer seinen Universalcode lieber auf konventionellem Wege über den Buchhandel kauft, kann auch das bald tun. Da sind wir niemandem böse.

Kontakt:

Marion Schwehr, euryclia