Carla Berling: Sammlung und Nutzung von Social-Media-Kontakten für eigenes Direktmarketing als Autor

Kurze Beschreibung des Akteurs

Mein Name ist Carla Berling, ich bin Journalistin, lebe in Köln und habe 2000 mein erstes Sachbuch veröffentlicht. Es folgten zwei Märchenbücher, zwei Romane, drei Satirebände. Immer in der Schublade blieb ein Roman, den ich Mitte der Neunziger begonnen hatte – und den wohl alle deutschen Verlage abgelehnt hatten. Ich schrieb den Roman um. Und bot ihn allen namhaften Agenturen an. Ohne Erfolg. Ich reichte ihn unter einem anderen Namen erneut bei den Publikumsverlagen ein. Ohne Erfolg. Keiner wollte ihn.

Also musste ich ihn erneut überarbeiten. Ich begann zu bloggen, führte das „Tagebuch eines Romans“. Erzählte von meinem Tagwerk, vom den täglichen Zielen, von meiner Angst vor dem erneuten Scheitern, von der Freude über kleine Erfolge. Und meine Webseite explodierte fast. Das wollten die Leute lesen, darauf reagierten sie. Und dann beschloss ich, das Bloggen einzustellen und ein Buch über das Schreiben eines Buches zu schreiben.

Beschreibung der Marketing-Strategie

Mein Ziel:

Ungeschönt erzählen, was ich seit Beginn meiner Schreiberei erlebt und gelernt habe, und ganz ehrlich von meinen Siegen und meinem Scheitern berichten. Dabei war mir klar, dass die Welt nicht auf meine Autobiografie gewartet hatte, dass ich mich weder ausheulen noch alles unreflektiert wiedergeben durfte. Authentizität war die oberste Regel, sonst würde dieses Buch zwar eine feine Therapie für mich selber sein, aber es würde sonst niemandem etwas bedeuten können.

Mein Plan:

Wenn ich in diesem Buch erzähle, wie alle anderen Bücher entstanden sind, wie viel Power, Ideen, Disziplin und Durchhaltevermögen nötig waren, um sie zu realisieren und zu veröffentlichen, wenn ich den Leuten erzählen würde, wie ich die Bücher entwickelt, geschrieben, an den Verlag und an den Leser gebracht habe, dann, so hoffte ich, würde dieses Buch sich gut verkaufen und zugleich Werbung für alle anderen Titel sein. Und: Es sollte die Leser neugierig machen auf den Roman, das Buch, das keiner wollte und für das ich dann doch einen Verlag fand.

Inwiefern war die Marketing-Strategie erfolgreich? Können Sie Zahlen als Beleg für den Erfolg nennen?

Die Kleinarbeit:

Vom Kämpfen und vom Schreiben“ erschien im Oktober 2011 in der ersten Auflage beim Verlag Kulturmaschinen, Berlin. Den Verlagsvertrag hatte ich im Februar unterzeichnet und sofort danach begonnen, meine Kontakte bei Facebook zu multiplizieren. Das ging nur durch eisernes Durchhalten: Jeden Morgen habe ich ein Thema gepostet, eine Diskussion angefacht, eine Frage gestellt – kurz: Die Leute unterhalten. Ihnen etwas geboten. Bald hatte ich 5.000 Kontakte auf meiner privaten Seite und 2.500 auf meiner Fanpage. Ich sammelte Kontakte bei Xing und Follower bei Twitter. Wir filmten meine Lesungen und stellte Szenen als Videos bei Youtube ein. Knapp 8.000 Menschen haben mich dann auf dem Weg zur Veröffentlichung von „Vom Kämpfen und vom Schreiben“ virtuell begleitet.

Einen Monat vor Erscheinen des Buches begann ich, alle Kontakte einzeln anzuschreiben. Jeden einzeln, fast immer mit Namen. Drei Monate lang schrieb ich knapp 7.000 persönliche Mails und verlinkte 7.000 Mal auf das Buch. Ich bot zu Weihnachten, Ostern und Muttertag signierte Exemplare mit Wunschwidmung an. Ich verschickte über 3.000 Bewerbungen für Lesungen – und wurde ca. zwanzig Mal im Jahr gebucht.

Der Buchhandel griff meine Lesungsangebote und die Werbung nicht auf. Der kleine Verlag ist, wie so viele Kleinverlage, im Buchhandel kaum präsent, daher war Amazon meine einzige Chance.

Die Leute kauften das Buch dennoch. Die Rezensionen im Internet sind – ohne Ausnahme – begeistert. Diese Rezensionen wiederum verlinkte ich auf allen Seiten – was mir neue Leser bescherte.

Das Ergebnis:

Sie wollen Zahlen? Abverkäufe? Die darf ich nicht nennen. Geschäftsgeheimnis.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Die Zukunft:

Wie es nun weiter geht?

Die Rechte von „Vom Kämpfen und vom Schreiben“ fallen Ende des Jahres an mich zurück. Mein Engagement passte nicht zum Verlag, wir trennten uns im gegenseitigen Einvernehmen. Der Roman „Die Rattenfänger“, das Buch, um das es immer ging und mit dem alles begann, erscheint zur Frankfurter Buchmesse 2012 im VAT Verlag André Thiele, Mainz. Der Verleger sprach mich an – das ist in der Branche wohl so selten wie ein Sechser im Lotto.

Ich habe mich ganz bewusst für diesen VAT entschieden – und nicht für‘s Self-Publishing, obwohl ich das als echte Alternative sehe. Ich bin Autorin. Okay, ich bin auch meine eigene Social-Media-Mangagerin, meine Event-Managerin, ich bin Presseabteilung, Werbung, Vertrieb und Vorleserin. Aber ich bin keine Verlegerin.

Knapp 8.000 Fans bei Facebook begleiten mich weiterhin. Ich vermehre sie durch Gags, Infos, Verlosungen meiner Bücher. Ich versuche, den Buchhandel einzubeziehen, indem ich Lesungen verlose, ich arbeite mit Plakaten, CDs, Flyern und einem Newsletter. Aber ich kann nicht alles können. Und deswegen sehe ich der Zusammenarbeit mit einem aufstrebenden, ehrgeizigen Verleger mit Freude und Motivation entgegen.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Carla Berling
(Amazon-Seite, Facebook, Twitter, YouTube)

  • G.J.Lehnen

    Das ist doch mal ein schöner Einblick in die Arbeit, informativ, ehrlich und umfassend alle Bereiche angeschnitten. Ja, so macht man Lust auf mehr !
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und Spass bei/an der Arbeit , die uns dann sicher wieder viel Freude beim lesen bereitet.

  • Danke für den guten Artikel! Weiterhin viel Glück und Durchhaltevermögen!

  • James Henry Burson

    Das Buch habe ich gelesen und es ist wahr – die Person Carla Behrling beschreibt ehrlich und offensiv das Thema – wie realisiere ich meinen Traum vom Schreiben und bringe mein Buch in die Welt.
    Mal ganz ehrlich, so unter uns – nach dem Lesen des Buches, wurde mir klar, dass ich wohl nie ein erfolgreicher Schriftsteller werde.
    So traurig, wie mich diese Erkenntnis auch machte – es öffnete mir die Augen für die Realität, in diesem Business – danke dafür.
    Ich hätte weder den Mumm, noch die Kraft und schon gar nicht die technische Fertigkeit zur Umsetzung, solch einer Arbeit.
    Eines hat das Buch leider – oder Gott sei Dank – erreicht.
    Es zwingt mich durch seine Offenheit und Ehrlichkeit, ebenso ungeschönt, darauf zu antworten.
    Viel Erfolg für dich und deine Werke, James Henry Burson