vm-people: „Pippas Diary“ – wie Zoë Beck ihre Fans auf einen neuen Roman einstimmt

Kurze Beschreibung des Akteurs

Gegründet im Jahr 2004, hat sich die vm-people GmbH auf Virales Marketing, Transmedia Storytelling und Social Media Management spezialisiert. Die Agentur unterstützt ihre Kunden dabei, wahre Fans für Ihre Marken, Produkte oder Dienstleistungen zu gewinnen, sie dauerhaft zu begeistern und langfristig an sich zu binden. Die Arbeiten für die Buchbranche bildet ein Schwerpunkt der Agentur. Zu den Auftraggebern von vm-people zählen zahlreiche Publikums- und Fachverlage ebenso wie der Buchhandel und Autoren.

Beschreibung der Marketing-Maßnahme

Bei Autoren hat sich inzwischen herumgesprochen, dass es durchaus von Vorteil ist, für seine Leser erreichbar zu sein. Die Lektüre eines Buches ist oft mit starken Emotionen verbunden und weckt das Bedürfnis nach Austausch – nicht nur mit anderen Lesern, sondern auch mit dem Verfasser. Wer diese Nähe zulässt, wer auf E-Mails antwortet, auch wenn sie kritisch sind, oder bei Facebook auf Fragen reagiert und mit den Fans in einen Dialog tritt, eröffnet sich die Chance, eine starke Bindung zu seinem Publikum aufzubauen. Auch wenn es viel Zeit und manchmal Nerven kostet: Es lohnt sich, für die Leser da zu sein, wenn sie auf den Autor zugehen.

Zoë Beck hat den Spieß jetzt umgedreht. Bereits Wochen vor dem Erscheinen ihres neuen Romans „Das zerbrochene Fenster“ ist die Autorin auf ihre Leser zugegangen und das auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise. Ausgewählte Fans ihrer Facebook-Page, Rezensenten ihrer Bücher und Buchblogger erhielten überraschend eine Sendung mit der Post. Neben einem handgeschriebenen und individuellen Gruß der Autorin enthielt der Umschlag eine Speicherkarte im Visitenkarten-Format, verziert mit einem Portraitfoto. Auf der USB-Karte verbarg sich die nächste Überraschung: eine Audiodatei im Stil einer Diktaphone-Aufnahme mit der Stimme einer verzweifelten Frau.

Bild-Quelle: http://provisorium.tumblr.com

Die Aufnahmen datieren auf das Jahr 2003 beziehungsweise 2004 und stammen von Philippa Murray, einer Klavierbauerin aus Edinburgh. „Pippa“ sucht ihren Freund Sean, der spurlos verschwunden ist. In den tagebuchartigen Passagen, fünfzehn an der Zahl, redet sie sich ihren Kummer und ihre Verzweiflung von der Seele. Schon nach den ersten Tracks beginnt man, tiefes Mitleid zu empfinden mit dieser unbekannten Frau, die nicht bereit ist zu akzeptieren, dass sie den geliebten Menschen wahrscheinlich niemals wiedersehen wird. So sehr es auch den Anschein haben mag, aber Pippa ist nicht real. Sie ist die Protagonistin aus „Das zerbrochene Fenster“ und wird von der Autorin selbst zum Leben erweckt, die der Hauptfigur ihre Stimme leiht.

Vierzehn der fünfzehn Tondateien sind Teil des Romans. Sie haben die Funktion, den Leser emotional auf die Handlung einzustimmen. Dadurch bekommt das Publikum dieses „Sneak Prehears“ das Gefühl vermittelt, die Figuren und das Setting bereits zu kennen, bevor die erste Seite des Buches aufgeschlagen ist. Gleichzeitig sollen die Tracks reflektieren, wie Zoë Beck ihre Geschichte erzählt: fragmentarisch, komplex, angesiedelt auf mehreren Zeitebenen. Keine leicht verdauliche Thriller-Kost von der Stange, nichts, was sich locker wegliest. Dafür eindringlich geschilderte, vom Leben gebeutelte Figuren, die in Erinnerung bleiben. Keine Blutorgien, stattdessen psycholgische Spannung im ursprünglichen Sinne des Wortteils „Psycho” in Psychothriller.

Die Aktion wurde von vm-people konzipiert, von Zoë Beck jedoch in Eigenregie umgesetzt, unterstützt durch crinx sound.

Inwiefern war die Marketing-Maßnahme erfolgreich?

Ausgangspukt für die virale Verbreitung der Maßnahme bildete der Überraschungseffekt, der bei den ausgewählten 85 Fans von Zoë Beck erzielt wurde, allesamt lesebegeisterte Menschen mit einer starken Präsenz in Social Media und einer persönlichen Neigung zum Krimi- und Thrillergenre. Die meisten Adressaten teilten ihre Begeisterung über die ungewöhnliche Autorenansprach mit ihren Friends und Followern.

Zusätzliche Reichweite, auch außerhalb der Fancommunity der Autorin, wurde mit der Auslobung eines Gewinnspiels erzielt. Wer bereit war, mindestens einen Audiofile über sein eigenes Social-Media-Profil zu teilen, dessen Name kam in einen Lostopf. Verlost wurde eine Reise nach Berlin, verbunden mit einer Teilnahme an einer Lesung der Autorin.

Können Sie Zahlen als Beleg für den Erfolg nennen?

76 der 85 angeschrieben Fans reagierten, durch Beiträge in Social Media, darunter viele ausführliche Blogbeiträge. Das entspricht einer beachtlichen Responsequote von 89,4 %. Die Quote wäre möglicherweise noch höher gewesen, hätte sich die Post so zuverlässig gezeigt, wie sie es von sich behauptet.

Die Aktion wurde in Blogs, auf Facebook und Twitter rund 250 Mal weiterempfohlen und geteilt. Dadurch wurde eine virale Reichweite von ca. 50.000 Kontakten in Social Media erzielt.

Auf qualitativer Ebene sorgte die Aktion für eine noch größere Nähe der Autorin zu ihren Fans, was sich unter anderem auch an einer deutlichen Steigerung der Freundschaftsanfragen auf Facebook ablesen ließ.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Thomas Zorbach
Geschäftsführer
vm-people GmbH

Twitter: @vmpeople
Facebook: www.facebook.com/vmpeoplegmbh
Linkedin: www.linkedin.com/in/tzorbach

  • Sina Schöberl

    Hier würde mich mal der Kosten/Nutzen Effekt interessieren, dann ich denke das hat schon eine Menge Geld gekostet um dann ganze 75 Leute zu erreichen.

    • Kommentar

      Mich auch. Und TKP? Einerseits an den alten Begriffen festhalten andereseits stolz auf die Innovation sein – da passt doch was nicht.

  • Hi Sina, bei den 75 Leute handelt es sich um die Startbasis für die Verbreitung nicht um die Reichweite, also die Anzahl der erzielten Kontakte. Die virale Reichweite betrug ca. 50.000 Kontakte. Für die Kosten-Nutzenberechnung wird üblicher Weise der Tausend-Kontakt-Preis (TKP) herangezogen. Diese Kennzahl beschreibt welcher Geldbetrag bei einer Werbemaßnahme eingesetzt werden muss, um 1.000 Personen einer Zielgruppe zu erreichen. Da bei „Pippas Diary“ für die „Schaltung“ lediglich Portokosten anfielen liegt der TKP niedriger als zum Beispiel bei einer Spiegel- oder Brigitte-Anzeige. Der Nutzen ist also im Vergleich zu an angefallenen Kosten für die Schaltung vergleichsweise hoch! Hoffe ich konnte deine Frage damit beantworten. Grüße, Thomas

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