binooki: #berlinliestbinooki – Der literarische Foto-Contest

Kurze Beschreibung des Akteurs

Klischees sind uns zu blöd, die über die Döner-Türken und die über die farblosen Deutschen auch. Wir haben binooki 2011 in Berlin gegründet, um türkische Gegenwartsliteratur auf Deutsch zu verlegen und damit die Kulturen unserer beiden Heimaten zu verbinden. Wir geben jungen türkischen Autoren eine deutsche Stimme, verlegen Belletristik und deutsche Erstübersetzungen türkischer Klassiker. Das hat bisher gefehlt. Also machen wir es einfach selbst.

binooki sind wir, Inci Bürhaniye und Selma Wels, sich meist liebende Schwestern, in Deutschland geboren und aufgewachsen, anständige Kinder echter türkischer Eltern aus Aydın. Wir sind jung und entspannt, aber eine Regel muss sein: Wir veröffentlichen nur, was uns begeistert. binooki Bücher wollen zeigen, wie vielfältig türkische Kultur heute ist, wie wild, wie seriös, wie kaputt, wie adrett. Und das bitte jenseits von allen breitgetretenen Stereotypen. Junge Autoren zu entdecken, sie zu fördern und das deutschsprachige Publikum von ihnen zu begeistern, zu zeigen, was alles geht in Sachen türkischer Literatur, das ist unser Ziel. Dafür reisen wir regelmäßig nach Istanbul und Ankara, schütteln trockene und feuchte Hände auf Literaturfestivals, hören genau hin, wenn über einen neuen heißen Autoren geflüstert wird und wischen den Staub von unseren liebsten türkischen Klassikern.

binooki wird künftig um die zehn Titel pro Jahr veröffentlichen, jeweils zeitlos schön gestaltet auf Papier gedruckt und auch als E-Book.

Beschreibung der Marketing-Maßnahme

Der Anlass:

Vom 04.09.2012 bis zum 16.09.2012 fand in Berlin das Internationale Literaturfestival statt. Die Macher des Festivals hatten zum Auftakt zu einer berlinweiten Lesung aufgerufen. Jeder Berliner wurde aufgerufen am 04.09.2012 um 17 Uhr an einem Ort seiner Wahl aus einem Buch seiner Wahl maximal 15 Minuten vorzulesen.

Die Kampagne:

Die Idee des ILB12 wollte der binooki Verlag mit einer eigenen Aktion untermalen, die auch über den 04.09. hinaus ging und rief auf zu #berlinliestbinooki – Der literarische Foto-Contest. Der Aufruf zum fotografischen Dokumentieren von Büchern, lesenden Menschen oder Literatur im weitesten Sinne war in der Maßnahme die kreative Brücke, um die Menschen zum Lesen zu inspirieren und so den Bezug zum Verlag herzustellen.

Die Ziele:

Da der binooki Verlag noch sehr jung ist und auch das Programm fern vom Mainstream angesiedelt ist, war ein Hauptziel die Bekanntheitssteigerung durch eine pointierte und aufmerksamkeitsstarke Aktion. In Berlin ist die Smartphone-Dichte und Nutzung von mobilen Internet so hoch wie in kaum in anderer Stadt Deutschlands. binooki geht gemäß seiner Marken- und Marketingstrategie gezielt neue Wege mittels Social Media und nutzt neben einer erfolgreichen Facebook-Seite, Twitter und einem Blog auch Dienste wie das sehr beliebte Photo Sharing Netzwerk Instagram (aktuell 80 Mio. Nutzer weltweit). Die durchgeführte Aktion fand daher bewusst in Berlin statt, um eine möglichst große Teilnehmeranzahl zu erreichen und darüber einen hohen Viralitätsfaktor zu erzeugen.

Die Maßnahmen:

Im gesamten Aktionszeitraum wurden täglich an ausgewählten Knotenpunkten des öffentlichen Lebens in verschiedenen Bezirken von Berlin speziell angefertigte Booklets platziert, wie z.B. Oberbaumbrücke, Rosenthaler Platz, Warschauer Brücke, Bergmannstraße, Savignyplatz, Schloßstraße, Friedrichstraße, Winterfeldtplatz und Kulturbrauerei.

Beispiel: Dokumentation der Bookletplatzierung vor dem  Dussmann Kulturkaufhaus:

Inhalt des Booklets war eine Leseprobe aus der aktuellen Neuerscheinung „Unsere große Verzweiflung“ von Barış Bıçakçı, welche auch erst zur Aktion offiziell als Buch erschienen ist. In U-Bahnen, Cafés etc. wurden weiterhin Postkarten/Flyer ausgelegt und verteilt, die neben der Aktionsbeschreibung mittels QR Code auch auf die Aktionswebsite mit der URL berlinliestbinooki.de führte. Dort konnte man weitere Details der Aktion einsehen und das Booklet stand dort auch als kostenloses E-Book zum Download zur Verfügung.

Sowohl auf den Booklets, als auch auf den Karten wurde jeder dazu eingeladen, fotografisch festzuhalten, wie Berlin liest. Wir wollten Fotos von Menschen mit ihren Lieblingsbüchern, Leseorten, Zitaten, Buchhandlungen, Covern, ganz egal. Es war natürlich toll, wenn es sich um ein binooki-Buch handelte, das war aber keine Bedingung. Die Hauptsache war, man sah wie die Menschen lesen. Die Aktion war hauptsächlich auf Berlin fokussiert, selbstverständlich konnten aber auch Menschen aus Hamburg, München, Frankfurt, Dresden, Buxtehude oder Oberwiesental teilnehmen.

Der Wettbewerb:

Jede/r Teilnehmer/in sollte sein/ihr Foto rund ums Thema Lesen bei Instagram hochladen und den Hashtag #berlinliestbinooki anfügen. Damit nahm er/sie automatisch am Wettbewerb teil. Alternativ konnte man es auch per E-Mail an berlinliest@binooki.com schicken und Mitarbeiter des binooki Verlags haben die Bilder dann mit Namen des/r Teilnehmer/in auf den binooki Instagram Feed hochgeladen. Der Wettbewerb lief während der gesamten Dauer des Literaturfestivals und darüber hinaus bis zum 18.09.2012. Die ersten 10 Bilder mit den meisten Likes kamen in die Endauswahl, die besten 3 Bilder hiervon wählte dann eine Jury.

Um die Teilnahmebereitschaft zu erhöhen, wurden auch Preise für den Wettbewerb integriert. Durch eine Sponsoring-Kooperation mit der Berliner Niederlassung von BMW/MINI wurde für den 1. Preis ein Wochenende mit einem MINI Roadster ausgelobt. Der 2. Preis war ein Kindle E-Book Reader, und der 3. Preis war ein ein Buchpaket mit 3 binooki Büchern aus unserem aktuellen Programm inkl. ein persönlich servierter Kaffee mit den Verlegerinnen in den Verlagsräumen von binooki in Berlin-Kreuzberg. Die Plätze 4. – 10. erhielten je ein E-Book der Neuerscheinung „Unsere große Verzweiflung“.

Die Kommunikation:

Kurz vor dem 04.09.2012 wurden in einer Blogger Relations Maßnahme zahlreiche und reichweitenstarke Blogger mit Literatur- und Kulturschwerpunkt oder Berlin-Affinität angeschrieben mit der Beschreibung der Aktion und Einladung zur Abschlussveranstaltung. Ebenfalls ging im Vorfeld eine Pressemitteilung an verschiedene Journalisten und Sendeanstalten in Berlin und Deutschland.

Der Berliner Radiosender FluxFm unterstützte als Medienpartner während der gesamten Laufzeit durch redaktionelle Beiträge mit Interviews, gelesenen Texten und mehreren Hinweisen auf die Aktion im Radioprogramm. Eigene Kanäle wie Newsletter, Facebook Seite, Twitter und Blog wurden im Vorfeld für Teaser und während des Aktionszeitraums fortwährend für die Promotion eingesetzt.

Das Finale der Aktion fand in einer Abschlussveranstaltung mit Lesung im Berliner Fluxbau am 18.09.2012 statt, zu der neben den Bloggern und Journalisten auch Personen aus Politik, Medien und Kultur eingeladen wurden.

Der Ablauf:

Mittwoch, 08.08.2012

  • Erste Entwicklung der Leitidee und Grobkonzeption von der Aktion #berlinliestbinooki

Montag, 31.08.2012

  • Versenden der Pressemitteilungen an ausgesuchte Journalisten

Montag, 03.09.2012

  • Versenden der Bloggeranschreiben per E-Mail

Dienstag, 04.09.2012

  • Offizieller Start des Wettbewerbs
  • Erste Verteilung der Booklets und Flyer in Berlin
  • Launch der Kampagnenwebseite www.berlinliestbinooki.de
  • Initiierender Newsletter an binooki Verteiler
  • Beiträge auf dem binooki Blog, Facebook und Twitter
  • Begleitende Anzeigenschaltung bei Facebook
  • Redaktionelle Unterstützung durch den Medienpartner FluxFM im Senderprogramm, Facebook, Twitter und Webseite

Täglich vom 05.09. – 18.09.2012

  • Verteilung von Leseproben in wechselnden Berliner Bezirken
  • Täglich 2 min Lesebeiträge im Radioprogramm von FluxFM

Dienstag, 18.09.2012

  • 17 Uhr Radiointerview bei FluxFM mit Verlosung von Freikarten für die Abschlussveranstaltung (www.fluxfm.de, www.facebook.com)
  • 20 Uhr Abschlussveranstaltung zur Aktion mit Lesung „Unsere große Verzweiflung“ im Fluxbau in Berlin-Kreuzberg mit über 50 Teilnehmern
  • Projektion der Teilnehmerfotos im Raum
  • Nach der Lesung musikalischer Ausklang
  • Ende des Wettbewerbs um 0.00 Uhr

Montag, 24.09.2012

Inwiefern war die Marketing-Maßnahme erfolgreich? Können Sie Zahlen als Beleg für den Erfolg nennen?

Insgesamt wurden über 400 Fotos via Instagram und per E-Mail für den Contest eingereicht, z.T. sogar aus Schweden, Italien, Türkei und Brasilien. Da die Teilnahmebedingungen jedoch einen Wohnort in Deutschland vorgaben, mussten diese ausgeschlossen werden. 51 Fotos wurden nach abschließender Prüfung zum Wettbewerb zugelassen, die auch den Vorgaben des Themas entsprachen.

http://www.flickr.com/photos/binooki/sets/72157631572560399/

Die Aktion wurde durch Tweets und Facebook Posts der angeschriebenen Blogger unterstützt und sorgte so für einen sichtbaren Talkabout im Netz, deutlichen Anstieg der Zugriffszahlen auf der Kampagnenwebseite und Verlagswebseite, sowie Wachstum  Community auf den sozialen Kanälen von binooki auf Facebook, Twitter und Instagram.


(für: https://twitter.com/binooki/status/242879860643622913)

 

 

 

 

Neben einem Anstieg der Fanzahlen von über 15 % konnte auf Facebook auch die Aktivität deutlich erhöht werden, so dass der binooki Verlag zwischenzeitlich mit einer Engagement Rate von knapp 25 % den Platz 1 der deutschen Facebook Charts im Bereich Verlage auf analytics.cc belegte.

(Zum Vergrößern auf das Bild klicken.)

Dabei brachte der holistische Marketing- und Kommunikationsplan gezielt die analoge und haptische Erfahrung des Lesens mittels gedruckten Booklets und der mobilen Verknüpfung als digitale Verlängerung der Aktion zusammen. Durch den kreativen Einsatz digitaler Technologien in sozialen Netzwerkgefügen konnte sich mittels der Erzeugung von Earned Media die Markenbotschaft und das Programm des Verlags sowohl online als auch offline viral verbreiten.

Bereits während des Aktionszeitraumes führte die Steigerung der Markenbekanntheit zu wachsenden Umsätzen und gesteigerten Nachfragen des Verlagsprogramms und Rezensionsexemplaren von Buchhändlern, als auch vermehrt zu Presseanfragen.

Der Einsatz:

  • Verwendung des Statigram Contest Moduls: 420 €
  • Druckkosten Booklets und Flyer: 450 €
  • Media Spendings Facebook: 100 € in zwei Wochen
  • Sachpreise: 99 € für einen Kindle E-Book Reader
  • Persönlicher Einsatz der binooki Street Teams: Unbezahlbar!

Fazit und Ausblick:

Mit viel Kreativität und minimalem Budget hat der binooki Verlag in kürzester Zeit seine Bekanntheit lokal und national steigern können. Das erzeugte Wachstum der Community auf Facebook, Twitter und Instagram führte zu einer stärkeren Basis für die weitere Kommunikation, Kundenbindung und den Vertrieb, die nun durch Fortführung der Social Media Strategie weiter gefestigt und ausgebaut wird. Das Ziel, durch Earned Media eine virale Multiplikation der Marke binooki, der Unternehmensphilosophie und des Verlagsprogramms zu erzeugen, wurde somit durch effizienten Einsatz von Social Media und den begleitenden Maßnahmen der Leseprobenverteilung absolut erreicht.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Selma Wels und Inci Bürhaniye
Verlegerinnen
binooki

Website: www.binooki.com
Twitter: www.twitter.com/binooki
Facebook: www.facebook.com/binooki

  • Stefanie

    Großartig! Es gibt ja hier durchaus viele tolle Ideen auch von anderen Verlagen, aber was mir hier besonders gut gefällt, ist die kreative Idee. Als Mitarbeiterin eines anderen kleinen Verlags aus Hamburg kenne ich die Mittel, die einem für gute Werbung so zur Verfügung stehen. Meist so gut wie gar nichts leider. Deswegen find ich diese Aktion wirklich schön. Weiter so! Meine Stimme habt ihr.

    • Selma Wels

      Hallo Stefanie,
      vielen lieben Dank! Das freut uns sehr! Ja, gerade die kleinen Verlage können eben nicht mit den massiven Werbemaßnahmen der Großen mithalten. Aber wir denken uns eben dafür immer wieder kleiner und feine Sachen aus. Hoffen wir, dass wir es auch auf die Hotlist schaffen und dort nicht nur Aktionen mit den Riesenbudgets landen.

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  • Marc

    Das nenn ich mal eine gute Aktion. Unglaublich, was ihr da mit so wenig Geld auf die Beine gestellt habt. Endlich was wirklich innovatives mit Herzblut und persönlichem Einsatz in der Branche, wovon sich die anderen Verlagshäuser eine Scheibe abschneiden sollten. Ich verfolge euern Verlag schon seit dem Beitrag in der FAZ. Hut ab. Ich finde, ihr habt den Virenschleuder-Preis mehr als verdient!

    • Selma Wels

      Hallo Marc, vielen Dank für deinen Kommentar! Das erfreut das Verlegerinnenherz sehr. Insbesondere, wenn man sich damit so viel Mühe gemacht hat und als 2-Frau-Verlag eben alles selber machen muss und ohne Agenturunterstützung trotzdem eine erfolgreiche Aktion durchführen kann.

  • Heike B.

    Ich habe mir in den letzten Tagen so ziemlich alle Einreichungen angesehen. Ich finde es toll, dass dieses Jahr so viele mitgemacht haben. Es tut sich also doch was in der Branche. Endlich. Von allen Ideen finde ich vom binooki Verlag am tollsten. Ich lebe in Berlin und hab die Aktion in der Stadt gesehen. Am Rosenthaler Platz hingen überall diese wunderschönen Booklets und ich glaube, es hat keine Stunde gedauert, da waren alle weg, weil sie die Leute mitgenommen haben. Allein das finde ich schon großartig. Die Verbindung von Online und Print bzw. Offline ist hier wirklich gelungen. Und dann nicht einfach nur so, sondern in einem Kontext der einen echten Bezug zum Buch und zur Literatur hat. Sowas braucht die Branche!!

    • Selma Wels

      Wow, danke Heike. Das freut uns riesig, dass unsere Idee so gut angekommen ist. Unsere Booklets waren an allen Stellen ziemlich schnell weg, sozusagen wie warme Semmeln. Besonders hat uns dabei auch gefreut, dass durch die Leseproben viele sehr neugierig auf den Roman geworden sind und bei uns auch gleich noch andere Bücher bestellt haben. Die meisten kannten vorher unseren Verlag noch nicht, aber waren sehr begeistert von dem Programm. Eine Leserin rief uns sogar an und sagte: „Endlich kann ich mal etwas mehr von der türkischen Kultur erfahren. Ich meine, man trifft sich täglich auf der Straße und ist sich doch immer noch fremd irgendwie. Find ich toll, dass Bücher in der Türkei so geschätzt werden und dass es so begabte junge Autoren gibt. Das hätte ich nie gedacht.“ Da war ich erstmal sprachlos. Und das passiert nicht oft. :)

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