mairisch Verlag: Indiebookday

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Der „Indiebookday“ ist eine Aktion des mairisch Verlags, ausgedacht von Daniel Beskos und umgesetzt vom ganzen mairisch-Team.

mairisch ist ein Independent-Verlag mit Sitz in Hamburg und besteht derzeit aus einem Team von 6 Leuten. Schwerpunkt des Verlagsprogramms ist junge Gegenwartsliteratur, daneben veröffentlichen wir auch Hörspiele, Sachbücher, Graphic Novels und Musik. Aber was es auch ist: Wir veröffentlichen nur, was uns am Herzen liegt – und legen dabei Wert auf hochwertige Gestaltung, gründliches Lektorat und eine langfristige, freundschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Autoren und Musikern. Mit Autoren wie Finn-Ole Heinrich, Benjamin Maack, Michael Weins, Andreas Stichmann, Donata Rigg, Dorian Steinhoff, Stevan Paul oder Hannes Köhler haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder spannende Entdeckungen gemacht.

Beschreibung der Marketing-Maßnahme/-Strategie

Die Idee

Wie kann man es erreichen, dass möglichst viele Leute auf unabhängige Verlage aufmerksam werden und gleichzeitig ihr Buch in einer kleinen Buchhandlung kaufen, und das ohne großen Kostenaufwand? Man erklärt einen Tag im Jahr zum „Indiebookday“!

Hintergrund

Wir als  unabhängiger Verlag schätzen das Beratungsangebot all der Buchhändler, die sich die Mühe machen, die Verlagsprogramme genau zu studieren, gezielt Bücher nach Interesse und Qualität einzukaufen und sich nicht einfach nur an Bestsellerlisten orientieren. Und wir wissen, dass in den unabhängigen Verlagen viele spannende, außergewöhnliche, relevante Bücher erscheinen, doch häufig aufgrund einer schwächeren Vertriebsstruktur nicht alle Leser erreichen.

Ein kleines Vorbild hat der Indiebookday, nämlich den internationalen „Record Store Day„, an dem jedes Jahr Sonderaktionen in Plattenläden stattfinden und exklusive Veröffentlichungen kleiner Labels verkauft werden. Wir haben uns gefragt: Warum gibt es einen derartigen Tag nicht auch für Indie-Verlage und -Buchhändler? Wir haben die Idee weiterentwickelt und kurzerhand war der „Indiebookday“ geboren.

Ziele

Es gibt derzeit ja eine breite Wahrnehmung von Kampagnen wie „buy local“ und ein gesteigertes Bewusstsein dafür, wo man seine Produkte erwirbt. Nicht zuletzt die ZDF-Dokumentation über die Arbeitsverhältnisse bei Amazon hat dazu geführt, dass viele Buchkäufer ihre Bücher bewusst in kleinen Buchhandlungen (und vielleicht sogar auch bewusst von kleinen Verlagen) kaufen. Ein konkreter Tag wie der Indiebookday kann vielleicht dazu beitragen, so unsere Überlegung, diesen Vorsatz „Ich kaufe bewusst dies und jenes Buch und zwar von einem bestimmten Verlag und in einer bestimmten Buchhandlung“ auch in die Tat umzusetzen und dies dann sogar mit anderen öffentlich zu kommunizieren. Und da diese schnelle und direkte Kommunikation derzeit zumeist in den sozialen Netzwerken stattfindet, war unsere Idee: Kaufe bewusst ein bestimmtes Buch und berichte dann (am besten mit Bild) darüber in einem Netzwerk oder Blog. Dabei ging es uns bewusst darum, nicht Werbung für unseren Verlag zu machen, sondern für alle „Indie-Verlage“ und so auch möglichst viele andere Verlage und Buchhändler zum Mitmachen zu bewegen. Das Entscheidende war also, nur die Plattform (Webseite, Facebook-Event, Twitter-Hashtag) und die Mittel (Logo) zur Verfügung zu stellen, alles andere aber den Lesern, Buchhändlern und Verlagen zu überlassen. Alle drei Gruppen konnten so ganz individuell auf sich aufmerksam machen und sich gleichzeitig als Teil einer innovativen, kreativen Gruppe zu präsentieren.

Die Ausschreibung

Wir haben eine Webseite und ein Facebook-Event mit folgendem Text erstellt:

„Ihr liebt schöne Bücher. Am 23.03.2013 könnt Ihr das allen zeigen. Es geht ganz einfach: Geht am 23.03.2013 in einen Buchladen Eurer Wahl und kauft Euch ein Buch. Irgendeines, das Ihr sowieso gerade haben möchtet. Hauptsache ist: Es stammt aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag. Danach postet Ihr ein Foto des Covers, des Buches, oder Euch mit dem Buch (oder wie Ihr möchtet) in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Twitter, Google+) oder einem Blog Eurer Wahl unter dem Stichwort „Indiebookday“. Wenn Ihr die Aktion gut findet, erzählt davon.

Zum Hintergrund: Es gibt viele kleine tolle Verlage, die mit viel Herzblut und Leidenschaft schöne Bücher machen. Aber nicht immer finden die Bücher ihren Weg zu den Lesern. Der Indiebookday kann da für ein bisschen Aufmerksamkeit sorgen.“

Kosten

  • Werbepostkarte für die Buchmesse (Auflage: 1.000): 30,37 Euro
  • Hostingkosten Domain „Indiebookday“: 3,48 Euro

Inwiefern ist/war die Marketing-Maßnahme/-Strategie erfolgreich?

Die Resonanz in den Online-Medien im Vorfeld des Indiebookday war überraschend groß. Auf Twitter, bei Facebook und in Blogs gab es Hunderte von Ankündigungen, Aufrufen und auch einige Hintergrund-Artikel (z.B. zur Frage „Was ist ein unabhängiger Verlag?“).

Auch in der Presse wurde der Indiebookday aufgegriffen, neben Beiträgen in Branchen-Magazinen wie Buchmarkt und Buchreport gab es z.B. auch ein Interview im WDR 3, einen Artikel in der Leipziger Volkszeitung usw.

Am 23. März 2013 war dann der Indiebookday. Die Webseite www.indiebookday.de hatte am Veranstaltungswochenende ca. 4.000 Besucher. Das erste Posting eines Teilnehmers ging um 6:21 Uhr morgens bei Facebook online. Die ersten Fotos wurden gepostet, Leute fotografierten sich mit den gerade erstandenen Büchern und berichteten von ihren Erfahrungen in der Buchhandlung, von den Reaktionen der Buchhändler, von Gesprächen über den Indiebookday. Um 13:30 Uhr brach die Webseite kurz zusammen, aber das hatte andere Gründe, die mit der Bürgermeisterwahl in einer kleinen Stadt in Russland zusammenhingen. Insgesamt machten mehrere Hundert Teilnehmer bei Facebook und Twitter mit, auch in den teilnehmenden Buchläden schien einiges los gewesen zu sein.

Neben den vielen Teilnehmern des Indiebookday gab es viele Buchhandlungen, die an diesem Tag Sonderaktionen und Veranstaltungen machten und die Idee „Indiebookday“ propagierten: Darunter waren in Berlin z.B. das Kulturkaufhaus Dussmann und die Buchhandlungen Lesen und lesen lassen und Ocelot (letzere haben sogar einen Künstler beauftragt, Ihnen den „Indiebookday“-Schriftzug fürs Schaufenster auf Stoff zu sticken). Die Buchhandlung Köndgen in Wuppertal hat neben dem Büchertisch einen ganzen Veranstaltungstag organisiert, mit Twittagessen, Lesung und Podiumsdiskussion der Verleger Stefan Weidle und Monika Bielstein. Darüber hinaus gab es bundesweit weitere Buchläden, die Büchertische oder Schaufenster zum Thema „Indiebooks“ eingerichtet haben und ihre Kunden beim Kauf von „Indiebooks“ fotografierten. Den „Indiebookday“-Schriftzug haben wir für alle kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt.

Aus der Idee ist außerdem auch der Blog „We read Indie“ entstanden, auf dem verschiedene Blogger seitdem regelmäßig Neuerscheinungen aus Indie-Verlagen vorstellen.

Lassen sich Zahlen als Beleg für den Erfolg nennen?

Nachdem die Webseite erstellt war, wurden ca. 200 Personen zum Facebook-Event eingeladen. Dies war öffentlich, so dass diese 200 Personen ihrerseits wieder weitere Leute einladen konnten. Uns hat überrascht, wie stark das genutzt wurde: Über 15.000 Personen haben sich gegenseitig zum Event eingeladen, von denen über 2.000 zugesagt haben und weitere 500 „vielleicht teilnehmen“ wollten. Auch über Twitter gab es unter dem Hashtag #indiebookday sehr viele Teilnahme-Bekundungen. Daneben wurde von mairisch aus nur sehr wenig Öffentlichkeitsarbeit für den Indiebookday gemacht – nicht zuletzt, um zu testen, wie gut eine solche Kampagne allein mit viralen Mitteln funktionieren könnte. Neben einigen wenigen E-Mails an Kollegen aus anderen unabhängigen Verlagen und einigen Journalisten wurde für die Leipziger Buchmesse noch eine kleine Postkarte gedruckt und am Stand des mairisch Verlags verteilt.

Die Zahl der konkreten Teilnehmer am Indiebookday lässt sich nur schätzen, weil natürlich nicht alle ihre Käufe online und öffentlich kommuniziert haben. Auf der Facebook-Event-Seite gab es aber mehrere Hundert Postings, ebenso bei Twitter. Auch auf den Webseiten/Facebook-Seiten der teilnehmenden Buchhändler gibt es Dutzende Postings mit Fotos von Kunden, die ein „Indiebook“ gekauft haben.

Ausblick: Wie geht/ging es ggf. weiter?

Der Indiebookday soll jährlich stattfinden, hoffentlich unter weiter steigender Beachtung. Vielleicht kann er ja so etwas wie ein kleiner „Feiertag des unabhängigen Verlegens“ werden. Der nächste Termin ist wieder am Samstag nach der Leipziger Buchmesse, dieses Mal am 22. März 2014. Wir werden versuchen, im Vorfeld die Presseaktivitäten für diesen Tag auszubauen und für alle Interessenten mehr Grafiken (z.B. für Poster) zum Download zur Verfügung zu stellen.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Daniel Beskos,
Programm & Kommunikation, mairisch Verlag