Spektrum der Wissenschaft: Wenn alles ineinander greift – Virales Marketing für 8 Euro

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Der Verlag Spektrum der Wissenschaft präsentiert mit seinen Zeitschriften und Internetangeboten neue Forschungsergebnisse in allgemein verständlicher Form.

Die Wurzeln des Heidelberger Verlages liegen in der Gründung der deutschen Ausgabe des Scientific American im Jahre 1978. Heute ist das Spektrum von Spektrum viel weiter, es gibt neue Magazine wie Gehirn&Geist und Spektrum neo und die Onlineaktivitäten wie das Blogportal SciLogs und Projekte wie „Wissenschaft in die Schulen“.

Im Fokus der Arbeit steht dabei immer, Bindeglied zwischen den forschenden und den an Forschung interessierten Menschen zu sein. Dieser Philosophie folgen auch die umfangreichen Social-Media-Aktivitäten der Mitarbeiter von Spektrum der Wissenschaft.

Beschreibung der Marketing-Maßnahme/-Strategie

Die Strategie ist alt. Sehr alt. Sie stammt aus einer Zeit, in der das Internet nicht nur Neuland, sondern noch gar nicht existent war. Sie heißt: Kümmere Dich um jeden Leser, als sei er Dein einziger. Dies zahlte sich immer schon aus und war immer schon schwer messbar. Was hat sich durch das Internet und Social Media geändert? Die Erwartungshaltung („Was bringt das?“) ist gewachsen, die Messbarkeit zum Teil besser geworden. Der größte Unterschied aber ist: Während die 1:1-Kommunikation früher maximal auf die Familie und Nachbarn des einen Lesers ausstrahlte, kann heute viel mehr erreicht werden. Tue Gutes und sie werden darüber reden. Nicht immer, aber ein einziges Mal kann reichen. Und um dieses eine Mal geht es hier exemplarisch.

Inwiefern ist/war die Marketing-Maßnahme/-Strategie erfolgreich?

Hier die Geschichte:

Der Abiturient Valentin Möller (@valentinmoeller) fragt seine Timeline, ob jemand gute Lektüre über Physik kennt. Daraufhin empfiehlt ihm Gerd Schröder (@padlive), einfach mal @spektrum zu folgen. Macht er natürlich auch und wird auf die Sonderheftreihe „Physik Mathematik Technik“ aufmerksam gemacht. Und die abonniert er gleich. Nein, das ist nicht die Erfolgsstory, das ist banal.

Jetzt wird es kompliziert, also normal: Ein langjähriger Leser schickt dem Leserservice per E-Mail ein Foto seines Babys, das Spektrum „liest“. Das Social Media Team fragt, ob sie dies posten dürfen. Dürfen sie. Das Cover zeigt Schrödingers Katze. @valentinmoeller sieht das Bild und fragt @spektrum, wie er an die Ausgabe kommen kann. @spektrum antwortet per DM, dass er seine Adresse mailen soll, dann bekäme er das Heft – kostenlos. Er schickt die Adresse mit dem Hinweis, dass ein Dank demnächst folgt. Parallel wird er von jemand anderem aus der Spektrum-Twitterwolke auf „Spektrum – Die Woche“ aufmerksam gemacht, ein digitale Publikation, die ihn als jungen Menschen interessieren könnte.

Ein paar Tage später: Valentin Möller schickt einen link zu Youtube. Ein 6-Minüter mit dem Titel „Wissen ohne Ende!“, sechs Minuten in denen er schildert, wie klasse er Spektrum findet – den Service und den Inhalt – einschließlich einer Kalkulation, dass „Die Woche“ für Schüler gerade mal 77 Cent pro Ausgabe kostet. Das Video schauen sich über Tausend Menschen an.


Sehr schön, aber noch nicht alles. Verlagsleiter Richard Zinken postet dieses Video auf Google+, diesen Hinweis sieht Wenke Bönisch (@digiwis) und schreibt einen Blogpost „Virale Werbung für ca. 8 Euro“ – dem Verkauspreis des geschenkten Heftes. Diesen Post entdeckte das Team vom Börsenverein und veröffentliche ihn als Gastbeitrag im AKEPlog. Auf den Beitrag machte wiederum Steffen Meier (@steffenmeier) auf Facebook aufmerksam, wo es auch noch mal schön diskutiert wurde.

Ein paar Wochen später: Valentin Möller schickt einen weiteren Youtube-link. Diesmal auf ein Video in seinem offiziellen Kanal mit fast 35.000 Abonnenten. Der Titel: „Fünf Gründe für ein Tablet!“ Eine Argumentationshilfe, wie man seine Eltern davon überzeugt, dass so ein Tablet total gut ist. Grund No.1: „Fortbildung“ – zum Beispiel in Form von „Spektrum – Die Woche“. Das Video wurde bislang fast 10.000 mal angeguckt – virales Marketing für 8 Euro! Einfach, weil der Verlag das gemacht hat, was selbstverständlich ist. Nur dass es dank Social Media auch andere mitbekommen haben.


Ausblick: Wie geht/ging es ggf. weiter?

Wie gesagt, die zugrunde liegende Strategie ist alt. Gezeigt hat sich, dass sie nicht nur immer noch funktioniert, sondern sich in Zeiten von Social Media noch mehr auszahlen kann. Insofern also eine Bestätigung, den sehr persönlichen Ansatz, den Spektrum der Wissenschaft im Bereich Social Media verfolgt und den Heike Schmidt vom AKEP zu einem Verlagsbesuch animiert hat, weiter zu verfolgen.

Zwei Erkenntnisse bleiben: Planen lässt sich so etwas nicht. Das macht aber nichts, weil es auch keine Extrainvestitionen erfordert. Zumindest dann nicht, wenn die Kommunikation mit dem Leser ohnehin als selbstverständlich angesehen wird. Auch und gerade in Zeiten von Social Media.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Richard Zinken,
Verlagsleiter Spektrum der Wissenschaft