Bernhard Blöchl: Literarisches Schelmenstück „Für immer Juli“

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Bernhard Blöchl ist Journalist, Blogger und Schriftsteller aus München. Groß geworden in den Neunzigern, zählt er sich zu der Autorengeneration, die das Schreiben offline lernte, sich aber auch online nach Herzenslust austobt. Unter Lieblingssaetze.de hat er ein Museum der schönen Sätze eingerichtet, wo er gelungene Romananfänge und außergewöhnliche Songtexte sammelt und kommentiert.

Seit 2010 widmet er sich der Schriftstellerei, sein Debüt „Für immer Juli“ erschien Ende Juli 2013 im MaroVerlag. Der Schelmenroman zur Frage, was den modernen Mann ausmacht, ist Teil eines literarischen Experiments. Ein Experiment, das die Online-Offline-Grenze neu auslotet und netzaffinen Autoren bei der Publikumsbildung weitere Wege aufzeigen soll.

Beschreibung der Marketing-Maßnahme/-Strategie

Julian Hartmann ist der Protagonist des Romans „Für immer Juli“. Seit Herbst 2012 tummelt er sich auch im Netz: Auf Schlussmitluschig.de gibt er den Blogger, schreibt „Notizen zum Mannsein“ und formuliert seine Thesen der Emannzipation (sic!). Er spinnt die Romanhandlung, also die Suche nach seiner verlorenen Männlichkeit, im Internet weiter. So wird das Blog zur digitalen Metaebene. Das Besondere daran ist der Zeitpunkt: Die Öffentlichkeit lernte Julian Hartmann als völlig unbekannte Netzpersönlichkeit kennen, denn das Manuskript zum Roman war zwar fertig, aber noch nicht publiziert.

Hintergrund des literarischen Schelmenstücks war die Marketing-Strategie, in Eigenregie ein Publikum zum Thema des Romans aufzubauen. Eine kritische Masse, die das Buch interessieren dürfte – unabhängig davon, ob das Manuskript in einem Verlag herauskommt oder im Selfpublishing-Verfahren veröffentlicht wird. Der Autor erstarkt, weil er sich unabhängig von großen Marketingmaschinerien macht.

Neu ist die Idee, eine Romanfigur aus der Geschichte fallen und im Netz konsequent weiteragieren zu lassen, bevor man diese als Romanfigur kennt. Die These des Autors: Eine Romanfigur muss mehr leisten, als nur zwischen zwei Buchdeckeln zu wirken. Sie bedient Facebook– und Twitter-Kanäle, um ein Publikum zum Romanthema um sich zu scharen – und zwar bevor der Roman erschienen ist. Als Barometer der Sympathiewerte der Figur sowie der Thementauglichkeit.

Inwiefern ist/war die Marketing-Maßnahme/-Strategie erfolgreich?

Innerhalb von neun Monaten – noch immer vor der Buchveröffentlichung – hat Julian Hartmann seine Website zu einem der beliebtesten Männerblogs in Deutschland hochgejazzt. Interviews mit Parship und Friendscout24, eine Erwähnung in der GQ, die Aufnahme des von Juli erfundenen Begriffs der Emannzipation im Duden-Wörterbuch der Szenesprachen, Kooperationsanfragen von Unterhosenherstellern und Dating-Portalen – all das zeigte in überwältigender Weise: Das Thema des Romans, die Orientierungslosigkeit des modernen Mannes, ist eben nicht „durch“, wie einige Verlage in ihren Absagen notierten. Das Thema knirscht gerade bemerkenswert.

Lassen sich Zahlen als Beleg für den Erfolg nennen?

Die Zugriffszahlen auf dem Blog haben die 100.000 überschritten (Stand September 2013: 115.000), mehr als 1.000 Facebook-Fans (Stand September: 1.344) und 450 Twitter-Follower (Stand September: 467) unterstreichen den Erfolg der multimedialen Idee. Buchverkaufszahlen lassen sich zwar noch nicht nennen. Festzustellen ist aber bereits ein starkes Interesse der Medien an dem Projekt: Diverse Veröffentlichungen, darunter in Süddeutsche Zeitung, GONG, Deutschlandfunk, msn.de sowie auf Blogs bestätigen den Reiz der Strategie.

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Die schöne Pointe des Schelmenstücks: Schlussmitluschig.de wurde von einem großen Publikumsverlag entdeckt, zunächst nicht wissend, dass es sich bei dem Blogbetreiber um eine fiktive Figur handelt. Und so wird Julian Hartmann die vielleicht erste Romanfigur, die ein Sachbuch veröffentlicht. Das Buch zum Blog zum Roman soll voraussichtlich 2014 erscheinen.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Bernhard Blöchl

Autorenfoto: zeegaro