mikrotext: Digitalverlag mit Spezialisierung auf E-Singles

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

mikrotext ist ein neuer unabhängiger Digitalverlag für E-Singles mit Sitz in Berlin, gegründet Anfang 2013. Alle drei Monate erscheinen zwei E-Singles, die thematisch zusammenhängen. Zwischendurch erscheinen spontan produzierte Ebooks in der Reihe „shots“.

Beschreibung der Marketing-Idee

mikrotext kommuniziert ausschließlich digital: per Webseite, Facebook, TwitterNewsletter, Mailings, dort, wo die E-Singles vertrieben werden, wo sich potenzielle Leserinnen und Leser finden und wo viele mikrotexte entstehen (etwa die Statusmeldungen des syrischen Autors Aboud Saeed in „Der klügste Mensch in Facebook“, Jan Kuhlbrodts Blog-Debatten in „Das Elster-Experiment“ oder Thomas Palzers gesammelter Spam „Poetry Spam“)

Weitere Beispiele:

  • Inbook-Marketing: In den E-Books sind Links zum Gesamtprogramm von mikrotext sowie Leseproben enthalten.
  • Digitale Verlagsvorschau: Die Vorschau wird digital erstellt – über eine Seite auf der Webseite – und kann individuell als PDF ausgedruckt werden. Sie ist damit dynamisch und kann Veränderungen im Verlagsprogramm abbilden.
  • #mikroreads: Auf Twitter verschickt mikrotext zusätzlich spannende Links, die die Verlagsarbeit inspirieren, unter dem Hashtag #mikroreads.
  • Schnelligkeit: Im Netz herrscht ein anderes Tempo. E-Singles sind digitale Lektüren für den mobilen Leser, die mobile Leserin, daher lassen sie sich schnell mit einem Mausklick in allen gängigen Shops für alle gängigen Lesegeräte kaufen. Durch ihre Kürze sind sie schnell produziert und können auf zeitgemäße Themen reagieren.
  • Pricing: E-Singles sind preiswert, kosten in etwa so viel wie ein Latte Macchiato und passen damit zu einem digitalen Lifestyle. „E-Books zum Kaffeepreis“, schrieb etwa das Börsenblatt. Ebenso gab es eine Gratis-Aktion von zwei Wochen für das Solidaritätsebook mit der Türkei „Gezi bleibt“.
  • Zitat-Postkarten: Für Veranstaltungen werden schwarz-weiße Postkarten mit einem aussagekräftigen Zitat und einem QR-Code sowie dem Twitter- und Facebook-Kanal von mikrotext gedruckt und verteilt.
  • Motto: „It is about the text, not about the book“. Bisher wird das E-Book meist als Doppelgänger zu einem gedruckten Buch verstanden. Das sieht mikrotext nicht so. mikrotext veröffentlicht nur Originaltexte.

Inwiefern ist/war die Marketing-Idee innovativ oder neuartig?

Bereits 2011 schrieb das NYMag über E-Singles in den USA, dass sie zu einer „neuen literarischen Form“ geworden seien. 2013 sind sie in Deutschland zwar angekommen, aber noch ziemliches #neuland.

mikrotext ist der erste Verlag, der sich im deutschsprachigen Raum auf E-Singles spezialisiert und im März 2013 die ersten beiden Titel herausgebracht hat. Bis zur Buchmesse hat mikrotext acht Titel im Programm, darunter auch zwei englischsprachige. Unter den mehr als 40 Presseberichten über mikrotext waren ein Beitrag bei ZDF/Aspekte, Radiobeiträge, Bloggerrezensionen und Berichte in Tageszeitungen wie Tagesspiegel oder Berliner Morgenpost. In einem Bericht auf Buchreport.de über Verlage, die kurze digitale Lektüren herausbringen, wurde mikrotext als unabhängiges neues Verlagsstartup besonders hervorgehoben.

Neu ist auch, dass Autoren ihre schon vorhandenen Texte, die zu kurz für ein gedrucktes Buch wären, auf diese Art und Weise nicht in der Schublade oder im digitalen Ordner lagern müssen sondern in digitaler Form veröffentlichen können. Ebenso können digitale Textformen wie Facebook-Statusmeldungen, Spam-Mails oder Blog-Diskussionen in E-Singles überführt werden. Schlussendlich kommen Kurz-Formate auch dem heutigen Leseverhalten entgegen, das sich in unserer digitalen Stream-Kultur kürzere Formate wünscht.

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Im Juli 2013 kam mit der deutschsprachigen Version der Kindle Singles ein neuer großer Player dazu. CULTurBOOKS sind in den Startlöchern. Aber auch die klassischen Printverlage gehen den E-Singles-Weg: SuKuLTuR hat schon vor ein paar Jahren angefangen, die gelben Lesehefte zu digitalisieren. Matthes & Seitz ist als klassischer Verlag seit Frühjahr 2013 mit kurzen Ebooks dabei, auch Rowohlt hat bereits kurze only-digital-Manifeste verlegt. Suhrkamp Digital bringt seit einigen Jahren Kurzes als Print- und Digitalversion heraus, ebenso der „Verlag für Kurzes“. Kurzes Digitales hat auch Christiane Frohmanns Verlag im Programm, der aber auch längere Formate publiziert. Eine spannende Bereicherung auf dem E-Singles-Markt ist der seit August 2013 existierende Berliner Verlag für Elektronovellen „Das Beben“. Und es gibt bestimmt noch weitere E-Singles-Verlage, die gerade in der Gründungsphase stecken.

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Da E-Singles zwischen Magazinformat und Buchformat stehen, weil die Texte wie längere Artikel daherkommen, soll bald auch ein mikrotext-Abo möglich sein. Ebenso wäre eine Bündel-Lösung denkbar: Der Leser oder die Leserin stellt sich für einen fixen Preis aus den vorhandenen Singles ein E-Book zusammen. Auf der Buchmesse wird außerdem ein handgestrickter Pulli mit dem Verlagslogo-m seinen Auftritt haben.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Nikola Richter
Verlagsleiterin mikrotext