Moritz Forster: Schülersprecherkandidatur mal anders – mit prominentem Wahlkampfhelfer

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Moritz ForsterMoritz Forster ist ein 17 jähriger Schüler aus der Schmuckstadt Idar-Oberstein. Er geht zurzeit in die 12. Klasse des Gymnasium an der Heinzenwies und belegt die Leistungskurse Sozialkunde, Latein und Physik. Seit 2008 engagiert er sich in seiner Freizeit ehrenamtlich im Offenen Kanal Idar-Oberstein/Herrstein, dem lokalen Fernsehsender, wo er seit 2012 auch Mitglied im Vorstand ist.

Beschreibung der Marketing-Idee

Als das neue Schuljahr begann, gab es, wie jedes Jahr, Wahlen der Schülervertretung. Moritz fasste den Entschluss als Schülersprecher zu kandidieren. Jedoch wollte er etwas anders machen als alle anderen. Eine Kandidatur ohne Wahlkampf? Das kann doch nicht sein! Zusammen mit Jan Schröder, Forsters späterem Wahlkampfmanager, wurde ein Konzept ausgeklügelt, welches satirisch-populistische Züge hat. Also ein Wahlprogramm, das auf die Masse abgerichtet und nebenbei mit Ulk behaftet war. Die Bundestagswahl 2013 wurde auf das Gymnasium an der Heinzenwies projiziert. Durch Forsters Erfahrung im medialen Bereich konnten die Pläne zeitnah in die Tat umgesetzt werden. Die Dreharbeiten für einen Wahlwerbespot begannen, Wahlplakate wurden erstellt, eine Facebook-Seite und ein YouTube-Kanal wurden erstellt.

Als Moritz von seinem Wahlkampfmanager erfuhr, dass Peer Steinbrück Idar-Oberstein besucht, wurde geplant, den Wahlwerbespot mit einem Statement Steinbrücks zur Kandidatur des Schülers abzurunden. Moritz machte sich, bewaffnet mit Kamera und Mikrofon, auf den Weg und drehte eine Reportage für den Lokalsender. Als Forster Steinbrück vor der Kamera hatte, und sein Interview für den Offenen Kanal im Kasten war, sprach er Steinbrück an: „Ich hätte noch ein persönliches Anliegen: Ich brauche Werbung.“ Steinbrück ergriff spontan das Mikrofon und hielt eine Lobrede auf den Kandidaten. Der Wahlwerbespot und das komplette Statement des SPD-Mannes sind auf dem YouTube-Kanal zu finden. Das Konzept war aufgegangen. Der Kanzlerkandidat spricht für den Schülersprecherkandidat. Der Auftritt im Social Media war perfekt und auf die Zielgruppe der Schüler abgerichtet.

Peer Steinbrück über Moritz Forster:

 

Wahlwerbespot:

 

Wahlplakate:

Inwiefern ist/war die Marketing-Idee innovativ oder neuartig?

Jeder dürfte sich noch an seine Zeit als Schüler und die Schülervertretungs-Wahlen entsinnen. Ein Kandidat, der verunsichert in der Aula steht und nicht recht weiß, wie er seine Mitschüler für sich überzeugen soll. Wahlkampf ist die Lösung! Man nehme sich ein Beispiel an den großen Fischen im Geschäft: Heutzutage hat fast jede Partei, die zur Bundestagswahl antritt, einen Auftritt im Social Media, um die junge Generation zu erreichen. Hinzu kommt noch die „prominente“ Unterstützung, die auch für Publicity sorgt. Verschiedene Medien aus ganz Deutschland und der Schweiz wurden auf die Aktion aufmerksam und berichteten. So ein Trubel gab es noch nie um eine Kandidatur als Schülersprecher, oder?

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Die Kampagne polarisierte und schlug ein wie eine Bombe. Kurz nach Veröffentlichung des Wahlwerbespots rief die lokale Zeitung an. Forster gab ein 15-minütiges Interview zu der ganzen Geschichte. Ihm wurde versichert, dass das Ganze zur Chefsache gemacht würde und direkt in die Chefredaktion der Rhein-Zeitung nach Koblenz ginge. Am gleichen Abend wurde der Artikel auf der Website der Zeitung, noch vor der Druck-Ausgabe, veröffentlicht. Schon nach kurzer Zeit hatten das Video sowie die Facebook-Seite eine enorme Anzahl an Aufrufen erreicht. Am darauf folgenden Tag wurde Moritz sehr überrascht. Die Süddeutsche Zeitung hatte einen Artikel über ihn verfasst. Mittags publizierte die dpa (Deutsche Presse Agentur) einen Artikel über den „Schülerkanzler in spe“. Darauf folgten unzählige Berichte in verschiedenen Medien. Radiosender, Zeitungen, Zeitschriften und sogar der RTL-Teletext berichteten über den 17-Jährigen. Ganz Deutschland sprach über den jungen Mann. Steinbrück selber sah das Video bei einem Interview der Rhein-Zeitung in Koblenz und zeigte sich sehr erfreut und begeistert. In Anbetracht des groß aufgezogenen  Wahlkampfes fingen einige von Forsters Mitbewerber auch mit dem Wahlkampf an. Wahlplakate wurden ironisch kopiert. Viele belächelten die Selbstironie, die Moritz mit sich bringt, und eine Gruppe von „Hatern“ entwickelte sich. Ein gewisser Personenkult um den Schüler brach aus. Musikkünstler vergleichen den individualistischen Schüler schon mit Mao Tse Tung, um den es einen ähnlichen Personenkult gab.

Presseberichte:

YouTube-Daten:

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Facebook-Daten:

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Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Trotz des groß aufgezogenen Wahlkampfes erreichte der engagierte Schüler nur den vierten von vier Plätzen. „Ich nehme das ganz gelassen und gehe auf jeden Fall als Gewinner aus der ganzen Sache heraus. Ich habe gesehen, dass es bei einer Schülersprecherwahl, im Gegenteil zur Bundestagswahl, nicht auf Kompetenz oder Überzeugungsfähigkeit ankommt, sondern eher auf Sympathie. Ich wünsche meinem Wahlkampfhelfer Steinbrück gutes Gelingen und mehr Erfolg als ich ihn hatte.“ Moritz nimmt die Schlappe gelassen und blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Es war ein Experiment. Ich würde es jedoch nochmal genauso machen, wenn ich nochmal für Aufsehen sorgen wollte. Es war Publicity für die Stadt, die Schule, die SPD, Peer Steinbrück und auch für mich, was sich eventuell noch bezahlt machen könnte.“

Wer reicht den Vorschlag ein?

Moritz Forster