Mario Giordano: Spielerischer Umgang mit 1000 Gefühlen – für die es keinen Namen gibt

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Akteure sind ein Buch und sein Autor: 1000 Gefühle – für die es keinen Namen gibt von Mario Giordano.

Mario Giordano ist als Drehbuchautor (u.a. für den TATORT) und Verfasser von Kinder- und Jugendbüchern bekannt geworden. Sein Roman „Black Box“ (1999) wurde als „Das Experiment“ verfilmt und erhielt den Bayerischen Filmpreis. Zuletzt erschienen „Ab morgen bin ich ein Löwe“ (2011) und der multimediale Serienroman „Apocalypsis“ (2011-2013). Für 1000 Gefühle (Berlin Verlag 2013) hat er ebenso viele Gefühle gesammelt, die wir zum Teil zwar sehr gut kennen, aber umso schwieriger in Worte fassen können.

z.B.:

  • Die EIFERSUCHT auf den gesegneten Schlaf deines Lebenspartners.
  • Die SCHAM, wie weit du mit so wenig Talent gekommen bist.
  • Der STOLZ, das Zauberwort getroffen zu haben.
  • Die BEFÜRCHTUNG, womöglich in der Matrix zu stecken.
  • Die ANGST, dein Leben komplett zu verpennen, wenn das so weitergeht.
  • Die ERLEICHTERUNG über unverschämtes Glück.
  • Die HOFFNUNG auf ein unmoralisches Angebot wie im Film.
  • Die WUT auf den frühen Vogel.
  • Der TRIUMPH, deinem inneren Schweinehund gezeigt zu haben, wer hier das Sagen hat.
  • Das ewige UNBEHAGEN vor dem Geldautomaten.
  • Die BEFÜRCHTUNG, dass das dicke Ende noch kommt.
  • Die HOFFNUNG, gefunden zu werden.
  • Die FREUDE, wenn der Paketbote klingelt.
  • Die SEHNSUCHT, rätselhaft und voller Geheimnisse zu wirken.
  • Die PANIK, dass alles auffliegen könnte.
  • Die VERZWEIFLUNG über die Trennung der Lieblingsband.
  • Die ANGST, im Schlaf alles auszuplaudern oder gar Namen zu nennen.
  • Die DANKBARKEIT, dass jemand den Hund festhält.
  • Die ERSCHÜTTERUNG über deine eigene Mittelmäßigkeit.
  • Die ERLEICHTERUNG über unerwarteten Aufschub.
  • Die SEHNSUCHT, dass alles ganz einfach sein möge.
  • Die NERVOSITÄT vor dem ersten Date.
  • Der NEID auf die Geheimnisse anderer.
  • Die Sehnsucht, dass dir jemand anbieten möge, auf die dunkle Seite der Macht zu wechseln.
  • Die VERZWEIFLUNG, wenn sich mal wieder alles gegen dich verschworen hat.
  • Die SEHNSUCHT, nicht nur geliebt, sondern auch gemocht zu werden.

Beschreibung der Marketing-Idee

Wie die dem Buch vorangestellte Gebrauchsanweisung zeigt, geht es dem Autor vor allem um den spielerischen Umgang mit den 1000 Gefühlen. Sie stellen weder ein vollständiges Kompendium aller existierenden Gefühle dar, noch sind sie für sich unveränderbar: Man kann sich zum Beispiel mit dem Partner über dessen gesegneten Schlaf freuen, man kann gegenüber so viel Glück aber auch ein Gefühl der Eifersucht entwickeln.

In der Kampagne sollte es deshalb vor allem um zwei Aspekte gehen:

  1. Fantasie: Der Leser schafft selbst neue Gefühle
  2. Reflexion: Der Leser setzt sich mit den Gefühlen im Buch auseinander. Welche erkennt er wieder? Welche mag er an sich selbst? Von welchen ist er entsetzt?

Für den ersten Aspekt haben wir eine Website eingerichtet:

Der Gefühlsautomat auf www.1000gefuehle.net bietet dem Leser an, eigene Gefühle zu entdecken, zu benennen und zu veröffentlichen.

Für den zweiten ist (unter anderem) die Facebook-Seite zuständig: Hier werden Gefühle aus dem Buch vorgestellt, gegeneinander gestellt, sowie zur Kommentierung und Bewertung freigegeben. Zusätzlich gaben wir 11 Lesern die Möglichkeit, mit einem ausgewählten Gefühl vollkommen vertraut zu werden: Ihnen wurde die Patenschaft für eine Facebook-Seite zum Gefühl übertragen.

1. Website

Auf www.1000gefuehle.net gibt es einen Gefühlsautomaten, der es Nutzern ermöglicht, seine eigenen Gefühle zu veröffentlichen:

Der Gefühlsautomat ist bis heute offen und wurde in den ersten Monaten mit ca. 300 neuen Gefühlen von Nutzern gespeist.

Begleitend hat Mario Giordano ein Video gedreht, das zeigt, wie Gefühle gemacht werden:

(weitere Videos)

Aus allen Einsendungen wurden zunächst die Gefühle der Woche, später die Gefühle des Monats gekürt und so einer kleinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht:

Die „Spender“ der veröffentlichten Gefühle erhielten ein kleines Post-it-Heft im Look des Buches mit 100 ausgewählten Gefühlen.

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2. Facebook-Seite 1000 Gefühle:

1. Gefühlsbingo

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Über das Kommentarfeld wurde entschieden, welches Gefühl in der jeweiligen Runde ausscheidet.

 

2. Weltmeisterschaft der Gefühle

16 Gefühle treten im k.o.-Modus gegeneinander an. Hier das „Viertelfinale“:

 

Das Endspiel gewann:

 

3. bestimmte Gefühle zu bestimmten Anlässen und bestimmten Personen, z. B.:

Gefühle, die zu den jeweiligen Sternzeichen passen:

 

Buchgefühle am Brückentag und Jahrestag der Bücherverbrennung 1933

 

Vorfreude auf die Übersetzung ins Englische (Penguin)

 

Fotogalerie: Menschen (unter anderem aus dem Berlin Verlag) und ihre Lieblingsgefühle aus dem Buch:

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Gefühle von der Platte, die im Kölner Obdachlosen-Magazin Draussenseiter veröffentlicht wurden:

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11 Gefühle – 11 Facebookseiten.

Wir suchten 11 Menschen, die die Patenschaft für ein Gefühl aus dem Buch übernehmen. Dazu gehörte vor allem: die Betreuung einer eigenen Facebook-Seite für das entsprechende Gefühl und das Versprechen, dieser Facebook-Seite zu einem möglichst großen Publikum (über die Gefällt mir-Angaben ) und zu lebhaften Diskussionen (xxx sprechen darüber) zu verhelfen.

Der Anreiz zur Teilnahme:

243 … Die unstillbare Sucht nach dem neuesten iPad.

Wer innerhalb von sechs Wochen die meisten Fans für sein Gefühl sammelte UND am Stichtag den höchsten Wert an „reden darüber“ hatte, konnte ein i-Pad mini gewinnen. Hier die erfolgreichsten Teilnehmer und ihre Werte am Stichtag:


 

Das Recht auf 1000 Gefühle. Flash-Mob auf dem Berliner Alexanderplatz:
mit Mario Giordano

1000 Teilnehmer kamen zwar nicht zusammen, wie man sieht:

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Aber immerhin eine Meldung im Buchmarkt:
http://www.buchmarkt.de/content/55199-berlin-flashmob-am-alexanderplatz-mit-1000-gefuehlen-.htm

Inwiefern ist/war die Marketing-Idee innovativ oder neuartig?

Vor allem die Idee, 11 von 1000 Protagonisten (Gefühle!) des Buchs Leben einzuhauchen, indem man sie intensiv von jeweils einem Menschen betreuen lässt, der sich womöglich mit dem Gefühl identifiziert, ist sicherlich ungewöhnlich. Sie zeigt die Möglichkeiten auf, die in einem einzelnen Satz, in einem einzelnen Gefühl, stecken. Man könnte ja den Satz „Der Tatendurst nach dem neuen Haarschnitt“ lesen, sich an eigene Friseurgänge erinnern, kurz schmunzeln und dann weiterlesen. Man kann aber auch öffentlich – bei Facebook – bei diesem Gefühl bleiben, es von allen möglichen Aspekten her beleuchten, um sich mit anderen über dieses Gefühl kennen zu lernen und zu vernetzen.

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Die Idee ist ansteckend, indem sie jeden Menschen auffordert, sich mit seinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen und diese anderen zugänglich zu machen.

Stilprägend ist das Konzept „Offenes Buch“. Ein gedrucktes Werk lädt ein, seine Inhalte auf verschiedenen Plattformen weiter zu entwickeln, es fortzuschreiben.

Über unsere Website erreichten uns mehr als 300 zu großen Teilen bewegende Gefühle. Auf der Facebook-Seite gab es über Monate regelmäßig hohe Beteiligungen. Bei der sechswöchigen Aktion 11 Paten für 11 Gefühle wurden von den Eifrigsten sehr schnell viele Fans gefunden, die in den Wettbewerbswochen  für einen hohen Traffic sorgten. Wir hatten uns allerdings erhofft, dass das eine oder andere Gefühl, das wir an Paten übergeben hatten, auf Facebook eine eigene längerfristige Karriere starten könnte. So hätte z. B. „Die Sorge, ob die Karre bis Alicante durchhält“ ein Anlaufpunkt für Menschen mit alten Autos werden können, um dort Bilder zu ihren Schrottkarren zu veröffentlichen, sich gegenseitig Reparaturtipps zu geben, oder Erfolgsmeldungen zu verbreiten a la „Bin mit meinem Käfer (Baujahr 1969) in Istanbul eingetroffen.“

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Die Frequenz der Beiträge ist zwar gesunken, die Facebookseite hat aber weiterhin ein recht aktives Publikum. Das Buch wird ins Italienische und Englische übersetzt. Dies bietet eine gute Gelegenheit, einige der Gefühle noch mal in anderer Sprache in Erinnerung zu bringen und ihm neue länderspezifische Aspekte abzugewinnen.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Stephan Pauli, Berlin Verlag