Michael Meisheit: eBook-Serie „Im falschen Film“

Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Michael MeisheitMichael Meisheit ist seit vielen Jahren Drehbuchautor – hauptsächlich für die Fernsehserie „Lindenstraße„. Seit 2012 ist er aber auch als Buchautor tätig und hat sich aus freien Stücken und mit großen Begeisterung für ein Leben als Selfpublisher entschieden. Nachdem sein Debütroman „Soap“ mangels ausreichender PR nicht besonders viele Leser gefunden hatte, erschuf er 2013 das Pseudonym Vanessa Mansini und ihren Blogroman „Nicht von dieser Welt„, bei dem er im Marketing sehr gezielt auf der „Klaviatur von Amazon“ spielte – fest davon überzeugt, dass man als Selfpublisher derzeit vor allem durch eBooks bei Amazon zahlreiche Leser erreichen kann. Der Erfolg gab ihm recht: Das eBook verdrängte nach zehn Tagen Dan Brown vom ersten Platz der Kindle-Charts und hat sich bis heute mehr als 30.000 Mal verkauft. Sicher spielte neben einigen anderen Faktoren auch Glück bei diesem Erfolg eine Rolle. Aber die gemachten Erfahrungen führten auch zu der Erkenntnis, dass ein Selfpublisher für nachhaltig hohe Leserzahlen strategisch etwas komplexer agieren muss …

Beschreibung der Maßnahme/-Strategie

Als Selfpublisher ist nichts wertvoller als eine große Fanbasis. Doch Romane, von denen nur ein oder zwei Mal im Jahr einer erscheint, sind ein mühseliger Weg, um ohne die finanziellen und medialen Möglichkeiten von Verlagen und anderen Großunternehmen eine so große Fanbasis aufzubauen, dass jedes neue Werk eine wirkliche Chance auf dem Markt bekommt. Unter anderem aus diesem Grund entwickelte Michael Meisheit (unter seinem Pseudonym Vanessa Mansini) die eBook-Serie „Im falschen Film„. Die Idee war: Kurze eBooks (von ca. 70 Seiten) für wenig Geld mit starken Cliffhangern und einem kurzfristigen Erscheinungsrhythmus von je zwei Wochen.

Im falschen Film Reihe

Die Handlung selbst war griffig: Eine Frau verliert bei einem Unfall ihre persönlichen Erinnerung und wundert sich darüber, welch unbefriedigendes Leben sie lebt. Der Leser konnte nun gemeinsam mit ihr die zahlreichen Geheimnisse ihres Lebens aufdecken, wurde von einer überraschenden Wendung zur nächsten getrieben und dabei mit Humor, Liebe und Spannung unterhalten.

Neben dem Wunsch, viele eBooks der Serie zu verkaufen, gab es ein übergeordnetes Ziel: Eine Fanbasis aufzubauen. Einer der wichtigsten Faktoren hierfür war ein Satz in jedem Buch nach dem jeweiligen Cliffhanger: „Wenn Sie aktuelle Informationen über ‚Im falschen Film‘ und alle neuen Folgen wünschen, tragen Sie sich bitte in diese Mailingliste ein.“ Ein entsprechender Link führte direkt zu einer professionellen Mailingliste, die über Mailchimp verwaltet wird.

Die Veröffentlichungen wurden durch das Ausreizen des Marketing-Mix‘ begleitet, der Selfpublishern zur Verfügung steht: Social-Media-Seiten, Kostenlosaktionen für die erste Folge, Berichte im eigenen Blog, bezahlte Werbung bei xtme.de, Preisausschreiben, Auftritte bei der Buchmesse in Leipzig, Online-Lesungen, Sonderangebote, Buchblogbesprechungen usw. Neben klassischen Maßnahmen gab es auch originelle Aktionen: Man konnte kleine Nebenrollen in der jeweils nächste Folge gewinnen – kurzfristig wurde der Gewinner tatsächlich in die Handlung eingebaut. Oder aber es gab gleich ein ganzes vom Autor geführtes Wochenende an den Schauplätzen des Romans in Berlin zu gewinnen.

Verschollenes Auto Ein besonderes Element im Marketing war eine eigene Facebook-Seite der Hauptfigur Trixi. Da die Handlung stets mit realen Zeitbezügen ablief (und sogar aktuelle Ereignisse eingebaut wurden), konnte Trixi die Handlung in Echtzeit parallel auf Facebook kommentieren. So hat die Figur im Roman zunächst keine eigene Facebook-Seite, richtet dann aber eine ein. Und genau an dem Tag im Dezember 2013 startete auch beim echten Facebook Trixi ihre Seite. Sie nutzte Facebook dann z.B., um das verschollene Auto ihres Mannes zu suchen, postete Fotos aus ihrem Leben oder Berichte darüber, wo sie sich gerade aufhielt – immer mit zeitgenauem Bezug zur Handlung. Darüber hinaus teilte sie aber auch zu ihrem Charakter passende beliebte Facebook-Postings oder gab ihre Lieblingsfilme preis (die in der Handlung eine wichtige Rolle spielten). Hinzu kam bei den späteren Folgen, dass sie sogar vor Veröffentlichung einer neuen Folge indirekt schon kleine Hinweise geben konnte, was passieren wird. Trixi selbst stellte von sich aus keine Freundschaftsanfragen, hat aber heute über 170 Freunde, die sie vor allem durch Hinweise auf der offiziellen Facebook-Seite von „Im falschen Film“ gefunden und von sich aus angesprochen haben.

All diese Maßnahmen zum Marketing für „Im falschen Film“ waren nicht nur darauf ausgerichtet, für das jeweils aktuell erschienene eBook Käufer zu finden, sondern es ging vor allem darum, die Leser langfristig an die Autorin „Vanessa Mansini“ zu binden.

Inwiefern ist/war die Maßnahme/-Strategie erfolgreich?

Seit Dezember 2013 wurden insgesamt zwei Staffeln der Serie veröffentlicht. Da die Leser sich mit dem ungewöhnlichen Serienformat zunächst sehr schwer taten und es am Anfang in Sachen Verkäufen nicht so lief wie vorgestellt, wurde mehrfach mit dem Veröffentlichungsrhythmus experimentiert, so dass heute zwei „Staffelgesamtausgaben“ mit jeweils 400 Seiten im Mittelpunkt des Verkaufs stehen. Diese haben sich mittlerweile dann auch gut verkauft. Die erste Staffel hat ca. 15.000 Leser gefunden, die zweite bisher ca. 9.000.

Was bereits von Anfang an hervorragend funktioniert hat, ist die feste Bindung einiger besonders begeisterten Leser. Denn die Mailingliste von Vanessa Mansini ist im Zeitraum Dezember 2013 bis August 2014 von knapp 100 Einträgen auf über 800 Einträge gewachsen. Das sind treue Fans, die jede neue Veröffentlichung der Autorin mit Spannung erwarten. Sehr deutlich sieht man das auch daran, dass die erste Folge nach ihrer Veröffentlichung im Dezember sehr gemächlich in die Kindle-Charts einstieg und nie über Platz 200 hinauskam. Hingegen landete die letzte Veröffentlichung im Juni noch am ersten Verkaufstag in den Top 20. Hauptsächlich durch die Käufe der Fans. Und genau das ist für einen Selfpublisher, der ein großes Publikum erreichen will, entscheidend: Dass er über eine Möglichkeit verfügt, sogar unabhängig von Social-Media-Seiten, bezahlter Werbung oder den Launen eines Algorithmus‘ zahlreiche potentielle Leser für die eigenen Werke ansprechen zu können, um mit dem Buch sichtbar zu werden.

 

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Das Problem bei einer eBook-Serie wie „Im falschen Film“ ist, dass viele Leser zunächst abgeschreckt sind, wenn sie sehen, dass sie auf weitere Folgen warten müssen. Viele Äußerungen und auch das Kaufverhalten der Leser deuten stark in die Richtung, dass man lieber abwartet, bis man „alles lesen kann“. Deswegen wurde die Serie nun erst einmal beendet, auch wenn zahlreiche Leser immer wieder anklopfen und nach einer Fortsetzung verlangen. Aber trotzdem wird es ein Weiterleben der geliebten Figuren geben. Denn alle weiteren Romane von Vanessa Mansini haben als Schauplatz der Handlung ein bestimmtes Haus in Berlin-Kreuzberg, in der auch die Hauptfiguren der anderen Mansini-Romane leben. So wird derzeit an einem Hochzeitsroman gearbeitet, dessen Hauptfigur bereits in „Im falschen Film“ am Rande aufgetaucht ist. Und in dem eine beliebte Nebenfigur von „Im falschen Film“ die Trauzeugin sein wird. Auf diese Weise soll rund um die Romane von Vanessa Mansini eine eigene Welt entstehen, in die man mit jedem neuen Roman problemlos einsteigen kann. Und trotzdem findet man als Fan das wieder, was einen an frühere Werke gefesselt hat. Die Bindung wird im Optimalfall also immer stärker und stärker …

Wer reicht den Vorschlag ein?

Michael Meisheit