Kathrin Passig: Das Programmieren geregelt kriegen

Kurze Beschreibung der Persönlichkeit, die nominiert wird

Kathrin Passig

Sie ist eine Botschafterin: Kathrin Passig vermittelt als Autorin, Webentwicklerin und Netzbewohnerin zwischen Technikgläubigen und Technikskeptikern. Sie gehört in beide Welten – und hält dennoch zu beiden Seiten eine unverwechselbare, ironische Distanz. Dabei ist sie kein unbeschriebenes Blatt: Als Trägerin des Grimme-Online- und des Bachmannpreises ist sie weit über Buchbranche und Netzwelt hinaus bekannt.

Sie twittert unter @kathrinpassig (und hat beeindruckende 28.500+ Follower) und ist allein schon für das Impressum ihrer Website preisverdächtig.

In welcher Hinsicht hat die Persönlichkeit im letzten Jahr einen Unterschied gemacht?

Kathrin Passig gelang es, aus vielen Programmier-Nullcheckerbunnies kompetente Checkerbunnies zu machen – und bei noch viel mehr Menschen überhaupt erstmal die Neugier aufs Coden zu wecken. Mit ihrem Bekenntnis zum „ist mir egal, ich lass das jetzt so“-Pragmatismus – angereichert mit Unerschrockenheit und einem hohen Unterhaltungsquotienten – nahm sie insbesondere Programmieranfängern die Scheu.

Auf der re:publica 2014 sprengte sie mit ihrer gemeinsam mit Anne Schüssler gehaltenen Session „Irgendwo muss man ja anfangen – Programmieren für Nullcheckerbunnies“ gleich zweimal die Kapazitäten der Vortragsräume, so groß war das Interesse. Gemeinsam bewiesen sie, dass Programmieren etwas ist, vor dem man keine Angst haben muss und das man in Grundzügen relativ einfach bewältigen kann. Der Vortrag wurde auch von vielen Publikumsmedien aufgenommen und erhielt so einen Einfluss weit über die re:publica hinaus.


Strenge Einlasskontrollen bei der #rp14. Konnten wegen des enormen Zulaufs nicht gehalten werden.

Gleiches gelang ihr – und ihrem Co-Autoren Johannes Jander – mit dem Buch „Weniger schlecht programmieren“. Mit dem für sie typischen, unorthodoxen Blickwinkel nimmt sie sich dem Leser an. Sie zeigt, dass auch IT-Pros Spaghetticode produzieren können. Und dass Programmieren in erster Linie viel mit Kommunikation zu tun hat. So mindert sie jegliche Schwellenängste – spannenderweise auch bei Menschen, die sich „eigentlich“ gar nicht mit Programmieren auseinandersetzen wollten, wie Rückmeldungen an den Verlag belegen.

Kathrin Passig publiziert in vielen On- und Offline-Kanälen. Ihre Gastauftritte im Podcast „Kolophon“ mit Tim Pritlove oder in der Dradio-Sendung „Netzbasteln“ nutzte sie, um von ihren eigenen autodidaktischen Erfolgen und Niederlagen beim  Programmierenlernen zu berichten. Auch in ihrer Kolumne „Technikwelt“ auf ZEIT ONLINE arbeitete Kathrin Passig kontinuierlich daran, die Hemmschwelle gegenüber Technik zu verringern.

Im „Techniktagebuch“ präsentiert sie gemeinsam mit verschiedenen anderen Mitstreitern alltägliche Konfrontationen mit Smartphones, WLAN-Netzen, Ticketautomaten und anderen Geräten und Apparaten unserer Zeit. Das Techniktagebuch fungiert somit als Zeuge der Technikevolution. Unmittelbar bevor steht eine regelmäßige Kolumne in der deutschen Wired, die sie gemeinsam mit Anne Schüssler veröffentlichen wird. Im Sommer 2014 nahm sie an der Quelltextlesung, einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe bei Wikimedia Deutschland, teil.

Wie hat die Persönlichkeit es geschafft, andere anzustecken?

Kathrin Passig überzeugt durch Authentizität, beispiellose (Selbst-)Ironie sowie unglaublichen Experimentiergeist. Sie geht auch schwierig erscheinende Themen mit einem lakonischen Schulterzucken an und nimmt kleine wie große Rückschritte mit Humor.

Von sich selbst sagt sie, sie habe sich bis 1994 – nämlich bis zur Entwicklung des Internets außerhalb der Universitäten – sehr gelangweilt. Das hat sich mit den mannigfaltigen Möglichkeiten, die das Netz bietet, und die sie für sich eindrücklich nutzt, geändert. Programmieren und den Umgang mit Technik vermittelt sie als Lebensgefühl – überhöht es aber niemals. Und: Sie stellt Fragen und in Frage, für sich und stellvertretend für ihre LeserInnen und ZuhörerInnen.

Kathrin Passig ist kreativ, baut wunderbar pointierte Formulierungen und prokrastiniert gerne. (Ganz hervorragend geht das übrigens mit ihrem Projekt „Zufallsshirt“.) Sie war und ist an Trillionen außergewöhnlichen Projekten beteiligt. Über Kathrin Passig könnten wir noch stundenlang weiterschreiben. Sie ist unsere Virenschleuder 2014.

Zufallsshirt
Selbst programmiert: das Zufallsshirt, der einzige Onlineshop mit tatsächlich individuellen Statement-Shirts.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Das Team des O’Reilly Verlags.

Foto: Jan Bölsche