TG: Der Facebook-Roman „Zwirbler“

Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Zwirbler Achtung! Wer einmal anfängt »Zwirbler« zu lesen, kann so schnell nicht mehr aufhören. Es besteht ein hohes Suchtrisiko und virulente Ansteckungsgefahr. Daher müssen besonders Jugendliche unter 17 Jahren von der Lektüre ausdrücklich gewarnt werden.

Doch was ist »Zwirbler« und wie kann man sich vor ihm schützen?

»Zwirbler« ist der erste Facebook-Roman. Virologen datieren sein erstes Auftreten in den Sommer des Jahres 2010. Seither weitet sich nicht nur die Erzählung, sondern auch die Leserschaft epidemieartig aus. Beinahe täglich ergänzt der Autor TG über kurze Einzelmeldungen von maximal 420 Zeichen das Geschehen und zwirbelt seine Fäden weiter. »Zwirbler« ist immer schon da, er trifft auf seine Leser im gleichen Moment, in dem er entsteht.

Inzwischen verfolgen rund 16.000 Leser die Abenteuer des Protagonisten »Zwirbler«. Sie begleiten ihn auf seiner irrwitzigen und spannenden Suche nach Menschen und Antworten durch die Krankenhäuser, Stripclubs und Gassen einer Großstadt. Die Erzählung bleibt dabei stets überraschend und voller rasanter Wendungen. Mal sexy, mal philosophisch, oft absurd aber nie langweilig. Wer einmal angefangen hat »Zwirbler« zu lesen, braucht immer mehr. Betroffene berichten gerade in den ersten Tagen gelegentlich von Schlaflosigkeit und exzessivem Lesegenuss.

Eine hohe Wahrscheinlichkeit mit »Zwirbler« kontaminiert zu werden ergibt sich naheliegenderweise durch die Nutzung Sozialer Medien wie dem Netzwerk Facebook. Aber auch auf Twitter wurde »Zwirbler« schon gesichtet. Ebenso wird vor einschlägigen Apps für mobile Geräte gewarnt. Seit einigen Jahren kursiert zudem eine Mutation des Erregers in Form eines professionell produzierten Hörbuchs, das perfiderweise per Podcast an sämtlichen Orten und zu allen Zeiten empfangen werden kann.

Das hohe virale Gefährdungspotential von »Zwirbler« speist sich aus der Tatsache, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit ein achtloser Klick auf »Gefällt mir« genügt, um als Leser einzusteigen. Schon setzt sich die digitale Virenschleuder in Gang. Epidemisches Erkennungsmerkmal ist das Anfangswort jedes entstehenden Abschnitts, der immer mit »Zwirbler« beginnt.

Beschreibung der Maßnahme/-Strategie

»Zwirbler« möchte erregen und anregen, »Zwirbler« möchte infizieren. Er setzt sich in den Nischen der kurzen Aufmerksamkeitsspannen unseres Alltags fest: beim Frühstück, auf dem Weg zur Arbeit, auf der Parkbank, der Toilette oder vor dem Einschlafen. Er verschafft sich Zugang über den Computer, das Smartphone, das Tablet oder den öffentlichen Infoscreen.

Dabei will »Zwirbler« keine passiven Lesezombies formen, sondern fordert seine Opfer auf, aktiv an der Geschichte mitzuwirken. So wird es jederzeit möglich, durch Kommentare eigene Ideen, Wünsche sowie Lob und Kritik direkt auf den Prozess des Schreibens zu wirken und selbst ein Teil von »Zwirbler« zu sein. Die Interaktion umgeht nachweislich geschickt alle bekannten kreativitätshemmenden geistigen Funktion und setzt sie außer Kraft.

»Zwirbler« ist nicht irgendeine Virenschleuder, »Zwirbler« packt Dich und schleudert Dich direkt ins Geschehen.

Inwiefern ist/war die Maßnahme/-Strategie erfolgreich?

Epidemologischer Befund in nüchternen, aber erschreckenden Zahlen:

  • Seit Juli 2010 online
  • 570+ Fortsetzungen
  • 16.000+ Fans bei Facebook
  • 3.000+ Follower bei Twitter
  • Auf Infoscreens in 70 Universitäten
  • 116+ Podcast-Episoden
  • Zwirbler-App für iOS, Android und Windows Phone

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Soviel ist klar: »Zwirbler« ist nicht zu stoppen. Die Sphären digitaler Interaktivität sind ihm nicht mehr genug. Deutliche Anzeichen verdichten sich zu der Prognose, dass er bereits in wenigen Monaten auf Papier erscheint. Damit fällt dann auch die letzte Bastion, die letzte Desinfektionsschleuse der antiseptischen literarischen Tradition. Doch dass »Zwirbler« auch bei diesem Schritt unberechenbar bleiben wird, ist zu befürchten. Zu den Risiken und Nebenwirkungen informieren in Kürze kladdebuchverlag.de und zwirbler.com.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Simon Reiser
kladde|buchverlag