Torsten Rohde: Twitter-Omi @RenateBergmann

Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Torsten Rohde alias Renate Bergmann«Die meisten denken, ich bin eine süße alte Omi. Aber ich kann auch anders.» Und wie!
Seit Anfang 2013 erobert Renate Bergmann Twitter. Über 23.000 Menschen folgen den Tweets von @RenateBergmann, in denen die humorvolle und kluge Oma über herrlich komische Episoden aus ihrem Leben zwischen Altennachmittag und Cyberspace plaudert.

Torsten Rohde alias Renate BergmannDenn Renate Bergmann, geborene Strelemann, hat nicht nur vier Ehemänner unter die Erde gebracht hat (also jetzt nicht so, wie Sie denken!), sondern bewegt sich im fortgeschrittenen Alter flink wie ein Fisch im (Inter)Netz. Sie kennt «Fäßbuck» ist ständig «onlein» und twittert sich auf ihrem neuen «Händi» die alten Finger wund.

Hinter der Twitter-Omi Renate steckt ein 39-jähriger Controller, den ein von geballter Frauenpower geprägtes Weihnachtsfest im Kreise der Großfamilie auf die geniale Idee mit der alten Dame Renate brachte: Torsten Rohde.

Beschreibung der Idee, inkl. der verfolgten Ziele

Torsten Rohde spielt mit dem scheinbaren Widerspruch zwischen Rentner-Realität und digitaler Welt. Renate Bergmann nimmt nicht nur ihr Alter mit Humor, sondern auch die moderne Welt auf die Schippe. Damit hält sie uns allen den Spiegel vor.

Denn Renate Bergmann verwehrt sich der mürrischen „Früher-war-alles-besser“-Mentalität und ist offen für Neues. Sie hat ihre Altersgebrechen, aber jammert nicht, sondern ist neugierig und geht mit offenen Augen durch die Welt. Ganz selbstverständlich stellt sie sich also auch den technischen Neuerungen.

Torsten Rohde hat bei seinen Recherchen viele einsame, zurückgezogene alte Leute getroffen. Mit Renate Bergmann wollte er einen Gegenentwurf zeichnen zu manchen älteren Menschen, die nur aus dem Fenster schauen. „Ich wünsche mir, so mal alt zu werden, wie die Renate alt ist.“ sagt er.

Rohde hat inzwischen einen anderen Blick auf das Altern und ein größeres Verständnis für die Herausforderungen bekommen. Er hofft, mit seiner Figur einen „positiven Nebeneffekt“ zu erzielen und den Dialog zwischen den Generationen zu stärken.

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Am 16. Januar 2013 twittert Renate Bergmann zum ersten Mal. Über Nacht gewinnt der Account mehrere hunderte Follower, wenige Tage später sind es tausend, heute schon über 23.000. Torsten Rohde hat gar nichts dafür getan, er hat nur so geschrieben, wie er dachte, dass alten Frauen der Schnabel gewachsen ist.

Damit traf er einen Nerv: nach Twitter folgt Facebook, und jetzt hat er mit seiner Buchveröffentlichung „Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker“ und dem entsprechenden Hörbuch den Sprung in die analoge Welt geschafft.

Im Alltag hört Torsten Rohde genau hin, was ältere Menschen beschäftigt und wie sie sich ausdrücken. Seine Beobachtungen werden dann „renatisiert“ – bekommen also den ganz eigenen Duktus der Renate Bergmann.

„Es kann sich wohl jeder ein bisschen mit dieser Oma identifizieren, die man trotz ihrer Schrullen und Eigenheiten eben lieb hat“, versucht Rohde den Erfolg zu erklären, den er selbst nicht erwartet hat. „Es war ja nur eine Laune. Ich hatte mir nichts überlegt, habe auf Twitter einfach angefangen, aufzuschreiben, was ich von meinen Urgroßeltern, Oma, Opa, Eltern ständig hörte.“ Seine Renate hat Humor, eine freche Schnauze und gibt mit ihren treffsicheren Ansichten Ratschläge, die die junge Generation gern annimmt.

Mehr als ein Jahr blieb die Identität von Renate Bergmann auf Twitter geheim und damit bei manchen die Illusion, ob vielleicht doch eine ältere Dame dahinter steckt. Sarah Kuttner stellte den Account ihren Followern auf Twitter sogar als “meine Oma” vor, was natürlich zu viel Spekulation führte.

Doch auch nach der Veröffentlichung des Pseudonyms bleibt ihre Popularität und die nahezu liebevolle Beziehung zu ihren Fans ungebrochen. „Wenn ich morgens bis 9 Uhr nicht den ersten Tweet gesendet habe, machen sich die Leser schon Sorgen um mich und meine Gesundheit“, erzählt Torsten Rohde.

Die meisten Fans haben Freude an dem Konzept und bestehen weiterhin darauf, dass Renate Bergmann eine echte Oma ist.

Renate gewinnt mit ihrer Art sogar neue User für Social Media: Viele ihrer Leser folgen nur 1 Person und haben sich offenbar nur ihretwegen bei Twitter registriert. Auch die eigene Familie ist angesteckt: Torsten Rohdes Mutter hat sich inzwischen bei Facebook angemeldet, nur um die Geschichten der fiktiven und doch so vertrauten Oma lesen zu können

Wer reicht den Vorschlag ein?

Carolin Obal
Senior Referentin
Online-Marketing Rowohlt Verlag

Foto: (c) Thorsten Wulff