Ulrike Draesner: Making-of-Webseite zum neuem Roman bei Luchterhand

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Ulrike DraesnerUlrike Draesner, eine der profiliertesten deutschsprachigen Autorinnen, seit 1999 regelmäßig an verschiedenen intermedialen Projekten beteiligt, plante zum Erscheinen ihres neuen Romans „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ (Luchterhand Literaturverlag, März 2014) eine begleitende Webseite. Idee dieser Making-of-Seite zum Roman war nichts Geringeres, als das Buch selbst springen zu lassen: von der Buchwelt ins Netz, von den Figuren zum Leser. Für die Umsetzung dieser Idee sorgte die Berliner Agentur für Transmedia Storytelling Imaginary Friends.

Beschreibung der Idee

Sieben Sprünge vom Rand der WeltIn ihrem bisher persönlichsten Buch erkundet Ulrike Draesner die Folgen von Krieg, Flucht und Vertreibung und wie sie bis heute in unserer Gesellschaft wirken. Der Roman heißt „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“, obwohl nur sechs Vertriebene ihre Geschichte erzählen. Jeder von ihnen ist vom Rand seiner Welt gesprungen. Der Siebte Sprung findet im Netz statt.

Auf der interaktiven Webseite www.der-siebte-sprung.de gewährt die Autorin nicht nur Einblick in ihre Schreibwerkstatt, berichtet von ihren Recherchen und versammelt Fundstücke rund um den Roman, sie lädt auch ihre Leserinnen und Leser ein, selbst zu erzählen und somit den Siebten Sprung zu wagen.

Wesentliche Stimmen des Romans erwuchsen für Ulrike Draesner aus Erinnerungen an das Wohnzimmer ihrer schlesischen Großeltern in München in den späten 60er und 70er Jahren. In diesem geschützten Raum sprachen die Vertriebenen über all das, was im neuen Land keinen Platz haben sollte oder durfte: die Schmerzen, den Hunger, die Verluste, die Heimat.

Die Idee des „Siebten Sprungs“ besteht nun darin, einen Bogen zu schlagen – vom Stimmenort der Kindheit mit seinem verdeckten kollektiven Sprechen in kollektivöffentliche Sprach- und Schreibformen heute. Das Projekt öffnet sich ins Netz. Erst auf der Webseite vollendet sich der Kreis, der Roman wechselt hier das Medium, verlängert seinen Resonanzraum ins Digitale.

Die sieben Menüpunkte symbolisieren die sieben Sprünge. Im letzten Menüpunkt „Selbst-Erzählen“ können Leserinnen und Leser ihre Erlebnisse und Gedanken zu Krieg, Flucht und Vertreibung veröffentlichen. Ihre Stimmen fließen in das Projekt mit ein. Der Siebte Sprung wird so kontinuierlich fortgeschrieben.

Über Beitrags-Serien und Neuigkeiten informiert ein Newsletter, für den man sich auf der Webseite anmelden kann. Neue Beiträge werden außerdem durch Posts in Ulrike Draesners facebook-Profil und unter #7tersprung in ihrem twitter-Account begleitet.

Inwiefern ist/war die Idee innovativ oder neuartig?

Der Siebte Sprung experimentiert mit den medialen Formen und kombiniert sie. Insofern handelt es sich nicht um eine klassische Marketingmaßnahme, die um eine Veröffentlichung herum „gestrickt“ wird, um ein Produkt – in diesem Falle das Buch – zu promoten. Vielmehr schafft die Webseite einen kuratierten Rahmen, vielleicht eine Art „digitales Wohnzimmer“ in dem man sich in Blogform, zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit, zu zentralen Fragen, mit denen sich das Buch beschäftigt, zu Wort melden kann.

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Die Frage stellt sich natürlich, ob die Webseite lebt und wie sie angenommen wird. Seit Februar wurde die Seite rund 20.000 Mal aufgerufen. Leider haben bisher nur neun Nutzer eine eigene Geschichte in der Rubrik „Selbst-Erzählen“ veröffentlicht. Jedoch fällt  auf, dass Buch und Webseite sehr wohl als zusammengehörig wahrgenommen werden. In vielen Rezensionen des Romans findet die Webseite Erwähnung, smart-digits und litaffin berichten sogar eigens über die Webseite.

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Um mehr Leser auf die Seite aufmerksam zu machen und sie zu ermuntern, ihre eigene Geschichte zu erzählen, haben wir als begleitende Offline-Maßnahme eine Postkarte drucken lassen, die auf Lesungen von Ulrike Draesner und im Buchhandel ausgelegt wird. Außerdem wird die Seite ja weiterhin mit verschiedenen Beitrags-Serien bespielt, so dass immer neue Anlässe auch für wiederholte Besuche geschaffen werden.

Als nächsten Schritt haben wir vor, die Webseite durchgehend dreisprachig zu gestalten (deutsch, polnisch, englisch). Dank einer Förderung durch die Europäische Ost-West-Akademie e.V. für Kultur und Medien sind bereits jetzt einige Texte auf der Seite ins Polnische übersetzt.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Rebecca Ellsäßer von REELL. Seit August 2014 betreue ich die Webseite im Auftrag von Ulrike Draesner redaktionell.