Christine Lehmann: Lisa Nerz – Aus der Literatur gesprungene virtuelle Persönlichkeit

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Christine LehmannChristine Lehmann lebt in Stuttgart und Wangen im Allgäu, schreibt Krimis und andere Romane und arbeitet als Nachrichten-Redakteurin beim SWR in Stuttgart. Ihre provokante Romanreihe um Lisa Nerz gehört zu den innovativsten Impulsen im deutschsprachigen Krimi.

»Genau das braucht spannende Kriminalliteratur: Figuren, die bunt bis schrill schillern und glaubwürdig gestaltet sind. Doch es sind nicht nur die Figuren, die Christine Lehmanns Krimis haushoch aus dem trüben Allerlei der deutschen Kriminalliteratur hervorstehen lassen. Da sind ihre Sprachspielereien, die über bloßen Wortwitz hinausreichen. Es sind wunderbar geformte Bilder aus der Wirklichkeit, literarischer Realismus verdichtet in wenigen Worten. Da ist ein geschickt verflochtener Plot, der zwischen Trauer und Komik pendelt und von der Autorin zu einem knallharten und packenden Ende geführt wird. Klar und ohne moralischen Zeigefinger: Christine Lehmann schreibt ausgeklügelte, witzige und kunstvolle Krimis mit Klassikerqualität.« Krimiblog.de

Beschreibung der Idee

Lisa NerzLisa Nerz, die narbengesichtige Journalistin, erfunden von Christine Lehmann und Hauptfigur in zehn klugen, rasanten und kühnen Spannungsromanen (plus ambivalente Nebenfigur in einem elften), ist eine aus der Literatur gesprungene virtuelle Persönlichkeit mit Alltagsleben. Gendermäßig oszillierend, politisch unkorrekt. Schwabenreporterin, Tabubrecherin, Undercoverermittlerin (besonders in Männerdomänen), Rätsellöserin, Stadtführerin, Rauhaardackelbesitzerin, Verführerin, Radfahrerin, beliebte Serienheldin, Agent Pro­vo­ca­teur kritischen Denkens. Sie hat Profil, sie hat Charakter, sie hat Mut zum Anecken – und sie hat Fans.

Lisa Nerz ist seit über dreieinhalb Jahren fast täglich auf Facebook, wo sie das Weltgeschehen und das Alltagsleben in und um Stuttgart kommentiert, Lisa-typisch aufmüpfige Fragen stellt, ihrer (äußerst ansteckenden!!!) Verspieltheit frönt und alle, die möchten, an ihrer (fiktiven) Existenz teilhaben lässt. Selbstredend twittert Lisa auch. Und man kann prächtig mit ihr diskutieren!

Lisa Nerz über Lisa Nerz:
„Ich habe einen Unfall überstanden, aber Narben im Gesicht zurückbehalten. Ich war Reporterin der Emanzen-Zeitung Amazone, dann Polizeireporterin für den Stuttgarter Anzeiger – ein Lover hat mich dort reingebracht. Die Redaktion und ich haben sich darauf geeinigt, dass ich zu faul und zu chaotisch bin für die Präsenzpflicht. Seitdem bin ich Freelancer und arbeite gelegentlich für die Sonntagsbeilage. Zu den unerklärlichen Phänomenen meines Lebens gehört, dass sich mir Leichen in den Weg legen. Dabei bin ich mit eines Tages mit Oberstaatsanwalt Dr. Richard Weber zusammengerasselt, meinem größten Lebensabschnittsirrtum. Er weiß alles, und ich habe nicht einmal Abitur. Außerdem lasse ich mich nicht gern festlegen, weder auf mein Geschlecht noch auf meine sexuellen Interessen. Ich bin katholisch. Nach der Sünde kommt die Beichte. Richard Weber ist dagegen Pietist. Sein Leben ist ein Jammertal, es sei denn, er nimmt mich mit.“

Inwiefern ist/war die Idee innovativ oder neuartig?

Die Protagonistin eines Buches wurde zum Leben erweckt und als virtuelle Kommentatorin, Ansprechpartnerin und Entertainerin einem breiten Publikum verfügbar gemacht. Selbst schon ganz früh mit modernen Social Media-Möglichkeiten spielend, lädt Lisa Nerz alle zum Mitspielen ein.

Mit ihren breit gefächerten Interessen, ihrer Kodderschnauze und ihren Selbstzweifeln macht Lisa aber nicht einfach bloß Werbung für die Kriminalromane, in denen sie die Hauptrolle spielt, nein, sie regt überhaupt zum Lesen und zum Neues-probieren an, zum Erkunden und Miträtseln, zum Erforschen von Möglichkeiten, zum Sich-Interessieren, Philosophieren, zu Social-Media-Aktivitäten, zum alltäglichen Mutigsein und zum Um-die-Ecke-Denken. Man kann mit ihr in Dialog treten und plaudern, diskutieren, sogar streiten. Lisa Nerz inspiriert!

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Wie man hier sieht, wurde diese Idee u.a. erst kürzlich vom DuMontVerlag aufgegriffen (Mai 2014: Romanfigur Evelyn Shriner).

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Lisa Nerz macht mit Sicherheit weiterhin Facebook unsicher, ebenso wie Stuttgart, Twitter und, wer weiß, vielleicht die ganze schöne neue Welt (in ihrem vorletzten Abenteuer verschlug es sie bereits u.a. nach Hamburg, Schottland und zu einer Konferenz mit Obama).

Wer reicht den Vorschlag ein?

Else Laudan,
Verlegerin der Ariadne Kriminalromane, wo Lisa Nerz’ große Fälle erschienen sind.

Copyright Foto: Günther Ahner