Claudia Gliemann: Verlegerin und Autorin des Kinderbuchverlages MONTEROSA

Beschreibung der Person

Claudia GliemannVor fast 20 Jahren habe ich in der Buchbranche als Übersetzerin angefangen und in knapp 15 Jahren über 50 Bücher übersetzt, unter anderem für die Verlage Arena, Sauerländer, Heyne, Rowohlt. Im Jahr 2010 habe ich den Kinderbuchverlag MONTEROSA gegründet und seitdem sieben Bücher verlegt, von denen ich selbst fünf geschrieben habe.

Vor drei Jahren, nach dem sechsten Buch, wollte ich aufgeben, weil ich in der Buchbranche mein persönliches Waterloo erlebte, weil ich merkte, ich kann mich anstrengen, wie ich will, es reicht trotzdem nicht. Also habe ich angefangen aufzuhören. Ich habe das Verlagsbüro gekündigt und mich nach und nach von allem und allen verabschiedet, auf Facebook den Account gekündigt und gedacht, es geht auch ohne. Ohne Bücher, ohne die Buchbranche. Dann kam die Buchmesse, die eigentlich meine letzte sein sollte. Der Abschied. Gespräche mit Kollegen, Freunden, Übersetzerkollegen und Verlegerkollegen. Und am Ende der Gedanke:  Und das willst du wirklich alles aufgeben? Willst du es nicht doch noch einmal versuchen? Auch wenn du schon das ganze Alphabet zweimal durch hast? Ja. Nein. Ja. Nein. Geht es nicht doch irgendwie? Aber wenn weitermachen, wie? Was muss ich anders machen?

Dann wurde ich krank. Ich lag im Bett. Die Viren hatten mich fest im Griff. Ich war zu nichts mehr in der Lage. Nur mein Handy lag neben mir. Und dann kam die Idee zu einem Buch. Der Text wurde ins Handy getippt. Und am Ende war er gar nicht so schlecht. Dann wurde daran gefeilt, verschiedene Personen wurden gefragt. Kooperationen wurden geknüpft. Die Illustratorin wurde gesucht und gefunden und wir arbeiteten an einem neuen Buch, das Ende 2014 erschienen ist: „Papas Seele hat Schnupfen“. Seitdem hat es „Papas Seele hat Schnupfen“ auf diverse Empfehlungslisten geschafft. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. kürte es zum  „Kinderbuch des Monats April 2015“,  es kam auf die Longlist der „Schönsten Bücher 2015“ der Stiftung Buchkunst und als Autorin kam ich auf die Empfehlungsliste des Nachwuchspreises für Kinder- und Jugenliteratur 2015 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Auch und besonders in Fachkreisen wird es sehr gelobt.

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In welcher Hinsicht hat die Person im letzten Jahr einen Unterschied gemacht?

Ich bewerbe mich als Autorin um den Virenschleuderpreis, weil  es in vielen meiner Bücher um virale Themen geht, um Themen, mit denen Kinder konfrontiert sind, obwohl sie es gar nicht möchten. Themen, die plötzlich da sind oder sich langsam entwickeln, und Kinder nur hilflos zusehen können und sich machtlos fühlen. Als Autorin möchte ich Kindern in solchen Situationen gerne das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind in ihrer Situation, und, ganz wichtig, dass sie nichts dafür können, wie bei einem Schnupfen: Der kommt einfach und ist plötzlich da.

Als Verlegerin bewerbe ich mich um den Virenschleuderpreis mit „Papas Seele hat Schnupfen“, weil sich auch die „Kunde“ von „Papas Seele hat Schnupfen“ verbreitet wie ein Schnupfen selbst. Als Verlegerin habe ich es geschafft, ein Buch zu entwickeln, das auf drei Bereichen Anerkennung erfährt: im Bereich Kinderbuch wie von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugenliteratur. Im Bereich Buchgestaltung wie von der Stiftung Buchkunst und im Bereich der Fachmedien von der Fachpresse selbst. „Papas Seele hat Schnupfen“ ist rund und stimmig. Aber dies trifft nicht nur auf „Papas Seele hat Schnupfen“ zu. Mein Gespür für gute Texte und das Auge für eine gelungene Verbindung mit ansprechenden Illustrationen und einem passenden Layout zu einem harmonischen Ganzen zeigte sich auch schon bei „Ohne Oma“, einem Buch zum Thema Tod und Trauer, das nur aus Piktogrammen besteht oder auch bei „Paula ist glücklich“, das bereits als Lizenz nach Korea und Südamerika verkauft wurde.

Abschließend bewerbe ich mich um den Virenschleuderpreis, weil ich seit Jahrzehnten von dem Virus „Buch“ infiziert bin, der dazu geführt hat, dass ich den Verlag nicht aufgegeben habe und nur dadurch, dass ich nicht aufgegeben habe, und einmal mehr aufgestanden als hingefallen bin, dann auch „Papas Seele hat Schnupfen“ geschrieben und auch umgesetzt habe. Ich bewerbe mich als Autorin und Verlegerin, die schwierige Themen sensibel umsetzen kann, die ein gutes Gespür für passende Illustrationen sowie den Mut hat, beides zusammenzubringen und dadurch ihren Weg zu gehen. Ways are made by walking. MONTEROSA ist ein kleiner Verlag und fünf Jahre sind keine lange Zeit für einen Verlag. MONTEROSA ist ein One-Woman-Verlag mit freien Mitarbeitern. Ein Hobby, wie jemand es einmal nannte. Und dafür habe ich es schon sehr weit gebracht. MONTEROSA hat in der Kinderbuchbranche einen Namen, und manchmal kennen mich Personen, ohne, dass ich sie bewusst kontaktiert habe oder ich höre Kommentare wie: „Ach, Ohne Oma, das ist von Ihnen?“  Eine Übersetzerkollegin meinte einmal: „Qualität setzt sich durch“. Deshalb bewerbe ich mich um den Virenschleuderpreis: MONTEROSA und ich stehen für Qualität und ein gutes Gespür, gepaart mit Leidenschaft und der Liebe zum Detail. Über mich sagte einmal jemand: „Lieber leise Töne“. Das stimmt. Mein Marketing ist nicht laut, und die Dinge, mit denen ich von mir reden mache, entstammen keinen Werbekampagnen, sondern der Tatsache, dass ich eine Vision für mich als Autorin und den Verlag habe.  Es geht mir vor allem um die Sache. Ich bin authentisch, und das wird, denke ich, am meisten geschätzt.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Claudia Gliemann