Jörg Sundermeier: 20 Jahre deutsche Literatur

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Foto: luxbooks

Beschreibung der Person

Streitbarer, herzlicher, solidarischer Kopf: Jörg Sundermeier ist ein deutscher Journalist und Verleger, der aus dem deutschsprachigen Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken ist. 1995 gründete er mit Werner Labisch den Verbrecher Verlag in Berlin-Kreuzberg, den er seit 2011 allein führt, einen Verlag für neue Literaturen aus Deutschland und der Welt, linke Theorien, Werkausgaben, nicht weichgespült oder angepasst, dafür provozierend, ehrlich, ästhetisch anregend, überraschend, mutig, klar. Er setzt sich für vergessene Autoren ein, übernimmt Mammutprojekte wie die Erich-Mühsam-Werkausgabe und entdeckt immer wieder großartige neue Stimmen. Jörg Sundermeier ist ein Verleger-Zeitgenosse, der sich einmischt und der Menschen miteinander verbindet. Dabei ist er ein warmherziger, freundlicher, bescheidener Mensch, der jeden, den er schätzt, an seine Brust drückt. Jörg ist sozusagen der Papa der Verbrecher-Familie, einer Familie aus vielen freien Köpfen, die stetig wächst. Und das muss man erstmal schaffen.

In welcher Hinsicht hat die Person einen Unterschied gemacht?

20jahrewirklichkeit

Jörg Sundermeier feiert in diesem Jahr das 20-jährige Verlagsjubliäum des Verbrecher Verlags, etwa mit einer Plakat-Aktion. Vier Autorennamen stehen auf schwarzem Hintergrund, darunter Bekenntnisse. Sie zeigen sehr gut, was der Verbrecher Verlag bis heute bewirkt, bewegt und wofür er steht: „20 Jahre Gegenwart“, „20 Jahre harte Kante“, „20 Jahre Pop“, „20 Jahre Selbstverständnis“, „20 Jahre großes Kino“, „20 Jahre große Debüts“, „20 Jahre Menschheitsgeschichten“, „20 Jahre Berlintext“, „20 Jahre Panorama“, „20 Jahre Mehrfachbegabung“, „20 Jahre Weltliteratur“, „20 Jahre Stadtrundfahrt“, „20 Jahre Unruhe“, „20 Jahre Erzählkunst“, „20 Jahre Klassik“, „20 Jahre deutsche Literatur“, „20 Jahre Ungehorsam“, „20 Jahre Wirklichkeit.“

Vielleicht noch eines: Jörg Sundermeier hat nicht nur geschafft, 20 Jahre unabhängig zu bleiben, sondern er hat sich auch wie eh und je laut- und meinungsstark eingemischt. Anfang 2015 kritisierte er etwa das „elende Kumpelsystem“ des Feuilletons und stieß damit eine Debatte um die Lage der Literaturkritik an. Seit März 2015 ist er im Vorstand der Kurt-Wolff-Stiftung.

Jörg Sundermeier beim #pubnpub Berlin

Wie hat die Persönlichkeit es geschafft, andere anzustecken?

Es ist schwierig, darüber zu schreiben, wie andere Menschen Jörg Sundermeier sehen, daher hab ich einfach diese anderen gefragt. Ein großes Danke an alle, die die Nominierung von Jörg Sundermeier unterstützen!

„Jörg Sundermeier ist ein ebenso starker wie wortgewaltiger Kämpfer für seine Autoren und eine Literatur, die neben dem immer stromlinienförmigeren Markt zunehmend an den Rand zu geraten droht. Früher betrachtete man gerade diese Literatur als Kunst, und Jörg Sundermeier ist daher ein Anwalt der wahren Sprachkunst – auch als schlagfertiger Journalist, immer mit Leib und Seele.“ (Enno Stahl, Autor)

„Beeindruckend ist das Festhalten an emanzipatorischen Ideen durch den Verbrecherverlag und das Aufzeigen ihrer Aktualität.“ (Jan Kuhlbrodt, Autor)

„Warum Jörg Sundermeier eine tolle Persönlichkeit ist: Der Verbrecher Verlag ist Anfang September 20 Jahre alt geworden. Jörg ist in diesen 20 Jahren sicherlich mehr als nur 20 Jahre gealtert, denn: Es ist nicht einfach, 20 Jahre unabhängig durchzuhalten. Das kann ich schon nach vier Jahren sagen. Es gehört viel Leidenschaft dazu, viel Herzblut, viel Geduld und eine große Portion Humor. Jörg vereint diese Eigenschaften in seinem Wesen und setzt sogar noch eine ganze Menge drauf: Gute Literatur, Hilfsbereitschaft, immer ein offenes Ohr für seine jüngeren Kollegen aus diesem wunderbaren Literaturbetrieb, Charisma und natürlich sieht er auch noch unverschämt gut aus! Also wenn nicht Jörg, wer sonst?“ (Selma Wels, Verlegerin binooki Verlag)

„Einem Verleger zu begegnen, der seinem Autor zuerst ein pornographisches Elfenmärchen, dann einen Science-Fiction-Roman über den Kunstbetrieb und zuletzt den Reprint eines Islandreiseberichtes aus dem Jahr 1613 abnimmt, würde ich als seltenes Glück bezeichnen.“ (Wolfgang Müller, Autor / Musiker u.a. „Die tödliche Doris“)

„Eine tolle Persönlichkeit benötigt ein großes Herz und einen tiefen Verstand. Die Größe des Herzens von Jörg Sundermeier habe ich bereits erfahren, die Tiefe seines Verstandes auszuloten, dazu reicht wiederum mein kleiner Geist nicht aus. Aber das Beste an ihm ist, er hat Humor.“ (Werner Labisch, Mitgründer Verbrecher Verlag)

„Jörg Sundermeier ist für mich einer der wenigen Utopisten dieser rationalen und abgesicherten Zeit, in der wir leben. Er ist abenteuerlustig, ohne dabei unvernünftig zu sein, ein Träumer, ohne dabei die Realität aus den Augen zu verlieren, risikobereit und mutig, neugierig mit einer nahezu kindlichen Neugier und verkörpert mit allem, was er tut, das, woran er glaubt und wofür er einsteht. Er lässt sich nicht von Hindernissen abbringen und wagt es Wege zu nehmen, die andere scheuen, gibt Menschen, die für ihre Ansichten und ihre Überzeugungen kämpfen, die genauso leidenschaftlich das lieben, was sie tun – eine Chance und bleibt stets auf der Suche nach neuen Stimmen und Entdeckungen. Er ist ein passionierter Verleger und ich bin mir sicher, dass man kein einziges Buch in seinem (einem nun nahezu) 20jährigen Verlagsprogramm finden würde, wo er nicht hinter stünde. Und vor allem ist er ein loyaler Mensch und ein Freund, den man sich nur wünschen und wahren wollen kann.“ (Nino Haratischwili, Autorin)

„Jörg Sundermeiers Stärke ist Synergie. Er verbindet Menschen mit Büchern, Bücher mit Stiftungen, Autoren mit Veranstaltern. Dann wirbelt er alles einmal rundherum und siehe da: Ganz andere Verbindungen ergeben sich: Theater trifft Verlag, Druckereien Schriftsteller, Buchhändler Veranstalter. Oder ganz anders und noch mal neu gedacht. Das ist Jörg Sundermeier, der jedem dazu noch das Gefühl gibt, wertvoller Teil einer wertvollen Branche zu sein und mehr zu schaffen, als man denkt.“ (Sarah Schmidt, Autorin)

Unten gibt es übrigens eine Kommentarecke für weitere Begeisterungssätze.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Nikola Richter
mikrotext