Zebrabutter: Wir brauchen ein deutsches BoingBoing

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Zebrabutter_Logo_mit_DomainZebrabutter.net ist ein Online-Magazin, manche sagen ein Blog, wir können auch sagen ein Zine. Auf jeden Fall ist die Seite aus einem Mangel entstanden, und die Grundidee war, dass wir ein deutsches BoingBoing brauchen. Wir sind seit Mai online.

Beschreibung der Strategie/Plattform

Zebrabutter.net entstand aus einem Mangel, den wir wahrgenommen haben. Denn obwohl es online viele ausgezeichnete journalistische Angebote gibt (wenn man sie zwischen dem Clickbait denn finden kann), fiel uns auf, dass die Nische, die im englischsprachigen Raum beispielsweise boingboing.net besetzt im deutschsprachigen Raum nicht ausgefüllt wird.
Es geht hierbei um einen Journalismus, der zum Einen klar netzbasiert ist und zum Anderen popkulturaffin. Der sich gleichzeitig aber auch seines journalistischen Auftrages bewusst ist, und gerne politisch und sozialkritisch wird, wenn es sein muss. Der schnell auf aktuelles reagieren kann, aber sich nicht verpflichtet sieht, aktuell zu sein. Der sich nicht formal und inhaltlich eingrenzen lassen will, und damit eine eigene Poetik entwickelt.
Wir wollen auf zebrabutter.net einen experimentellen Journalismus betreiben, einen, der formal und inhaltlich keine Einschränkungen kennt, sich aber, wenn es nötig ist, auf die althergerbachten Formen besinnt, einen Journalismus, der sich nicht nur als reine Berichterstattung sondern auch als kunstvolle und spielerisch versteht. In dem halben Jahr unserer Existenz haben wir sowohl Essays von einer Länge über 30.000 Zeichen gebracht – die aufgrund der Länge andere Redaktionen vermutlich nicht anfassen würden – sowie Kurztexte, die sich eher dem Bereich der Prosa zuordnen lassen oder auch Artikel, die komplett aus Emoji bestehen. Alles davon hat bei uns gute Klickzahlen generiert.
zebrabutter
Zur Zeit schreiben 23 AutorInnen für uns, Tendenz steigend, teils mit großer journalistischer Erfahrung, teils komplett ohne. Alle davon arbeiten ehrenamtlich und neben ihrer eigentlichen Arbeit oder ihrem Studium, trotzdem schaffen wir meist ein bis zwei neue Artikel am Tag online zu stellen. Gerade auch was unsere AutorInnen angeht, möchten wir vielen Menschen, auch solchen, die keine professionellen Journalisten sind, unkompliziert die Möglichkeit geben, sich zu artikulieren. Dies erreichen wir durch eine hohe Erreichbarkeit, schnelle Reaktion auf Artikelvorschläge neuer AutorInnen, und, falls nötig, intensive Zusammenarbeit mit diesen an ihren Texten. Es geht uns dabei sowohl um inhaltliche wie auch ästhetische Qualität.

Inwiefern ist die Strategie/Plattform erfolgreich?

Wir veröffentlichen im Schnitt zwei Artikel pro Tag und landen im Schnitt irgendwo zwischen 500 und 300 Besuchern am Tag, von Zeit zu Zeit mehr. Das könnte zwar mehr sein, ist aber für ein halbes Jahr nicht schlecht. Wir sind im BildBlog, bei jetzt.de und in der lokalen Printpresse gefeaturet worden.
Der größte Erfolg ist aber tatsächlich inhaltlich – wir haben lange Essays und wirre kurze Formen veröffentlicht, ausgefeilte Reportagen, interessante Interviews, einen regelmäßigen Webcomic vieles abseitig und woanders so nicht zu lesen. Wir konnten AutorInnen und Texte veröffentlichen, die ich persönlich für eine Bereicherung halte, und die ansonsten untergegangen wären. Das ist alles erst ein Anfang, das ist klar. Aber ein guter.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Wir wollen größer und bekannter werden. Wir wollen weiter veröffentlichen, größere Kreise ziehen. Wir wollen Lob und Kritik hören. Wir wollen uns verbessern. Wir wollen uns für Förderungen bewerben, um tatsächlich auch mal  die AutorInnen bezahlen zu können.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Jan Fischer