Das Literaturcamp Heidelberg: Plattform für Literaturbegeisterte

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Kurze Beschreibung des Akteurs

Unter dem Dach von Literaturschock, der Internetagentur für Social-Reading, hat sich ein Team bestehend aus Susanne Kasper, Ann-Kathrin Schwarz, Claudia Schmid, Dirk Welz, Nils Pawlik, Nathan Mattes, Harald Ille und Steffen Schilke gebildet, um mit der Unterstützung des Vereins Bildungskultur Rhein-Neckar e.V. am 11. und 12.06.2016 das erste Literaturcamp in Heidelberg zu veranstalten. Durch unsere Liebe zur Literatur und zum Schreiben haben wir die Auszeichnung Heidelbergs zur UNESCO City of Literature im Jahr 2014 auch als Auftrag an uns selbst verstanden. Wir wollten zu diesem Anlass beitragen und ihn ein Stück weit mitgestalten.

Das Literaturcamp Heidelberg war und ist nicht gewinnorientiert, sondern wird ehrenamtlich durchgeführt.

Kurze Beschreibung der Idee

Das Literaturcamp sollte Literaturbegeisterten eine Plattform bieten, auf der sie sich einbringen, ihre Erfahrungen austauschen sowie mehr über die Buchbranche und das Schreiben lernen und erleben können. Es sollte eine Brücke bauen zwischen Historie und digitalem Wandel, festgefahrene Strukturen aufweichen und neue Konzepte erarbeiten. Es sollte Menschen inspirieren, ihr Wissen erweitern und die Vernetzung in der Literaturwelt stärken.

Das Konzept des Literaturcamps 2016 war ein Barcamp mit dem Themenschwerpunkt Literatur. Dies bedeutete, dass die Programmplanung morgens vor Ort mit allen gemeinsam stattfand. Jeder konnte seine Erfahrungen, sein Wissen und seine Ideen auf der Veranstaltung einbringen. Aus aktuellen Themen und Anregungen entstand so bei der Planung der Sessions das Tagesprogramm. Auf diese Weise wurde es inhaltlich vollständig von den Anwesenden selbst festgelegt. Langjährige Erfahrungen zeigen, dass so ein sehr intensiver Wissensaustausch und tiefgründige Diskussionen entstehen, von denen alle deutlich mehr profitieren als von normalen Veranstaltungen mit vorher festgelegtem Vortragsplan.

Egal ob AutorIn, Verlagsmensch, BibliothekarIn, BuchbloggerIn, SelfpublisherIn, LeserIn oder BuchhändlerIn – auf dem Literaturcamp war jeder Mensch willkommen. Das Motto „Auf Augenhöhe Wissen teilen und Wissen in die Welt zu tragen“ wurde zwei Tage lang intensiv verfolgt und durchgesetzt. Jeder Anwesende hatte eine Geschichte zu erzählen, konnte anderen etwas beibringen. In der immer digitaler werdenden Welt ist Vernetzung wichtig, um Innovation voranzutreiben.

Inwiefern ist/war die Idee innovativ oder neuartig?

Ein Literaturcamp gab es in dieser Form noch nicht in Deutschland. Es wurde ausschließlich von Menschen organisiert, die nur als LeserIn oder AutorIn in der Literaturbranche verortet sind. Es waren bei der Planung und außerhalb des Sponsorings keine Verlage oder größeren Unternehmen  eingebunden, was dem Konzept zu Unabhängigkeit und Flexibilität verhalf. Da sich das Literaturcamp nicht nur an produzierende, sondern auch an konsumierende Menschen richtete, waren auch allgemeinere Themen erwünscht.

Es gibt oder gab es bereits Ansätze von Buchcamps. Innovativ am Literaturcamp war jedoch der Zeitraum und die Fülle an Session-Slots am Wochenende. Das Literaturcamp Heidelberg dauerte nicht nur zwei volle Tage, sondern bot mit über 60 Sessions mehr Inhalte und Wissensvermittlung als jedes andere Barcamp mit Bezug zur Literatur.

Es war uns wichtig, dass sich alle TeilnehmerInnen wohlfühlen. Die Hürden für die Teilnahme wollten wir so gering wie möglich gestalten. Deshalb sorgten wir an den beiden Tagen neben Vollverpflegung und günstiger Übernachtung auch für Kinderbetreuung vor Ort. Sogar verträgliche Hunde durften mitgebracht werden. Begegnung auf Augenhöhe war uns wichtig, weshalb Kinder nicht in die Kinderbetreuung mussten, sondern auch eigene Sessions anbieten durften.

„Buch 2.0“ – die Zukunft des Buchs in der digitalen Welt – ist seit einiger Zeit ein großes Thema in der Literaturbranche. Trotzdem reden die Akteure der Buchbranche oft aneinander vorbei und treten in vielen Fragen auf der Stelle. Gerade im mobilen Umfeld mit Tablets, E-Readern und Smartphones hat sich in den letzten Jahren viel getan. Standards mussten sich herauskristallisieren. Das Schlagwort „Blogger Relations“ gewinnt immer mehr an Bedeutung, während das Feuilleton einen Teil seines Einflusses auf Bestseller-Listen verliert.

Das Ziel des Literaturcamps war und ist es es, über Zukunftsperspektiven und Szenarien zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten: der Buchhandel mit Literaturblogs, Verlage mit SelfpublisherInnen, E-Book versus Print, BloggerInnen untereinander usw. Eine solche Vielfalt an unterschiedlichen Akteuren gab es bisher nicht auf einer Veranstaltung für die Literaturszene.

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

„Wir haben wild und frei Gedankenspiele unternommen, gesponnen und gewebt. Wir haben uns vorsichtig eine Blöße gegeben und sanft auf andere geblickt. Wir haben diskutiert, gelacht, erfühlt und erfahren.“ (againstallorcs.com)

Das war eine von vielen Reaktionen nach dem Literaturcamp. Während der Veranstaltung wechselte sich der Hashtag #litcamp16 auf Twitter mit dem offiziellen EM-Hashtag (am gleichen Tag fand ein Spiel statt) auf Platz eins und zwei ab. Die Resonanz auf den Social-Media-Kanälen war überwältigend, auf Twitter trendete der Hashtag schon vor dem offiziellen Start am Samstagmorgen und erhielt in Folge mit über 10.000 Tweets weit über 10 Millionen Impressions. Auch noch in der Woche danach wurde voller Begeisterung über das Literaturcamp getwittert. Immer mehr Stimmen wurden laut, dass sie wohl etwas verpasst hätten und beim nächsten Literaturcamp auf jeden Fall dabei sein wollen. Im Laufe der kommenden Tage und Wochen wurden zahlreiche Blogartikel eingereicht, die darüber nicht weniger begeistert berichteten.

Die positive Resonanz wirkte sich auch auf die Sponsoren aus. Während wir für das erste Literaturcamp lange auf der Suche nach genügend Sponsoren waren, hatten wir nach der Veranstaltung ohne Nachfrage schon wieder zwei Zusagen in der Mailbox.

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Am Sonntag wurde während der Abschluss-Session von allen gemeinsam das zweite Literaturcamp beschlossen, für das es inzwischen auch schon wieder einen Termin gibt. Es wird am 24. und 25.06.2017 erneut in Heidelberg stattfinden.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Stellvertretend für das Kernteam: Susanne Kasper

  • Mike Böll

    Das Literarturcamp 2016 war zwar mein erstes Bar-Camp überhaupt, es wird sicher nicht das Letzte gewesen sein. 2017 werde ich in HD auch wieder dabei sein. War eine tolle Veranstaltung bei der man nicht nur interessante „neue“ Leute kennenlernen konnte, sondern auch „alte“ Bekannte getroffen hat.
    Es war auch ein breites Spektrum an Themen geboten und gutes Essen gab es auch :-)