Hanser Verlag: Morgen mehr – ein Roman-Abo

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Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Der Carl Hanser Verlag wurde 1928 gegründet und steht seitdem für anspruchsvolle und gleichsam unterhaltsame Literatur; dazu gehören ein Kinder- und Jugendbuchprogramm sowie ein thematisch weit gefächertes Sachbuchprogramm. Zu den Hanser Literaturverlagen zählen heute auch die Verlage Hanser Berlin, Nagel & Kimche in Zürich sowie Zsolnay und Deuticke in Wien.

Tilman Rammstedt wurde 1975 in Bielefeld geboren, er lebt in Berlin. 2003 erschien sein Debüt Erledigungen vor der Feier, es folgten die Romane Wir bleiben in der Nähe (2005), Der Kaiser von China (2008), Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters (2012) und Morgen mehr (2016). Er wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u. a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis.

Beschreibung der Idee

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Morgen mehr lautet der Titel des neuen Romans von Tilman Rammstedt, dessen einziges Manko bis zum 11. Januar darin bestand, dass noch keine einzige Zeile geschrieben war.

Die Idee zu diesem ganz besonderen Schreibprojekt, zu dieser Reise ins Ungewisse, stammt vom Autor selbst. Tilman Rammstedt ist bekannt dafür, seine Bücher unter großem Zeitdruck zu schreiben, auf den allerletzten Drücker, wenn die Druckmaschinen schon am Warmlaufen sind. Dann liefert er seine Texte häppchenweise an Jo Lendle, der schon zu lektorieren beginnt, während Tilman Rammstedt noch schreibt.

Warum nicht aus der Not eine Tugend machen, hatten sich die beiden schon lange gedacht und beschlossen, eben diesen atemlosen Schreib- und Lektoratsprozess beim neuen Buch sichtbar zu machen.

So ist Morgen mehr entstanden – und der Name war Programm.

Die Grundidee von Morgen mehr

Vom 11. Januar bis zum 8. April schrieb Tilman Rammstedt jeden Tag sein Pensum, das bei etwa zwei Seiten lag (manchmal auch deutlich mehr). Diese wurden noch am Abend von Jo Lendle gesichtet und dann am jeweils nächsten Tag, um acht Uhr in der Früh, per E-Mail und WhatsApp-Nachricht an all jene verschickt, die das entsprechende Abonnement für acht Euro erworben hatten. Zusätzlich machte der Autor jeden Tag ein Selfie von sich und las den geschriebenen Text als Audiodatei ein.

Alle Inhalte waren direkt auf der Seite www.morgen-mehr.de zu finden. Dort konnte, den Abo-Zugang vorausgesetzt, mitgelesen und auch kommentiert werden.

Video: 64 Tage „Morgen mehr“

Der Schreibphase vorgelagert startete bereits im November 2015 auf Startnext eine Crowdfunding-Kampagne. Ziel war es, schon vorab Aufmerksamkeit für das Projekt zu erzeugen und erste Abonnenten zu gewinnen. Interessierte konnten in dieser ersten Phase exklusive, besondere Abopakete (auf Startnext „Dankeschöns“ genannt) erwerben. So gab es zum Beispiel ein „Ich bin ungeduldig“-Abo, bei dem man zusätzlich zum eigentlichen Abo jeden Vorabend eine Emoji-Preview auf das nächste Kapitel bekam.

Video: Morgen mehr auf Startnext

Die Entstehung von Morgen mehr wurde über unsere Social-Media-Kanäle begleitet, für die wir uns immer wieder einzelne Aktionen überlegten. Im März fand z.B. eine Livestreamlesung über die Plattformen Facebook und Periscope statt, bei der Tilman Rammstedt noch am Abend den gerade frisch geschriebenen Text las. Derartige Aktivitäten wie auch die intensive Pressebegleitung und gezielte Werbemaßnahmen sorgten dafür, dass auch Wochen nach dem Start noch neue Leserinnen und Leser hinzukamen. Insgesamt lasen weltweit rund 2.000 Abonnenten mit (dank einer Kooperation mit dem Goethe-Institut tatsächlich „weltweit“), 500 davon via WhatsApp. Die Leser begleiteten das täglich Geschriebene mit über 3.500 Kommentaren.

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Weitere interessante Zahlen und Fakten (inklusive Kaffeekonsum und Schlafmenge des Teams) gibt es in unserer Infografik zu Morgen mehr: morgen-mehr.de/teamblog/die-schlussbilanz

Inwiefern war die Idee neuartig?

Die Idee des Fortsetzungsromans ist natürlich altehrwürdig und auch im Netz wurde schon viel Work in Progress veröffentlicht. Aber täglich mit einem neuen Beitrag zum Mitlesen und Anhören geweckt zu werden, das war unseres Wissens neu.

Neu war auch die Technik, die bei „Morgen mehr“ zum Einsatz kam: Für das Paygate auf www.morgen-mehr.de wurde ein System des Münchner Startups Plenigo integriert, das nicht nur sehr gut funktionierte, sondern auch für die Abonnenten unkompliziert zu nutzen war.

Das Projekt an sich war eine Herausforderung – für den Autor, vor dessen täglicher Leistung man nur den Hut ziehen kann, für seinen Lektor und für das ganze Team. Wir alle haben sehr wenig geschlafen in diesen Wochen und gleichzeitig riesengroßen Spaß gehabt. Denn Morgen mehr war für uns auch ein spannendes Experimentierfeld, ein Ort zum Ausprobieren und zum Gewinnen neuer Erkenntnisse. So haben uns z.B. zahlreiche Abonnenten im Rahmen einer Umfrage im Anschluss an Morgen mehr Feedback gegeben. Verschiedene Aspekte des Projekts, wie etwa individuelle Lesegewohnheiten und -vorlieben, wurden mit Bezug auf Morgen mehr im Social Web diskutiert.

War die Idee unter Marketingtreibenden ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Morgen mehr ist in den Medien auf reges Interesse gestoßen. Auf sämtlichen Kanälen wurde darüber berichtet und die Neuartigkeit der Idee hervorgehoben. Die inzwischen entstandenen weiteren Projekte dieser Art zeigen, dass unser „Roman-Abo“ nicht nur bei den Lesern gut ankam, sondern auch auf Produzentenseite durchaus ansteckend ist:

Seit Juni 2016 betreibt der Autor und Selfpublishing-Dienstleister Matthias Matting die Mitlese-Plattform Fortschrift.net, bei der interessierte Leser gegen eine Gebühr das Entstehen bestimmter Buchprojekte verfolgen können.

Der Münchner Schriftsteller und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Thomas Lang schreibt seit September mit Unterstützung des Literaturportals Bayern einen interaktiven Online-Roman.

Ausblick

Bis zum 8. April hieß es täglich Morgen mehr. Nachdem Autor und Lektor ihr Schlafdefizit wieder einigermaßen ausgeglichen hatten, wurde der Text danach noch einmal überarbeitet und in Buchform gebracht. Morgen mehr ist seit dem 25. Juli als gedrucktes Buch – in besonders schöner Ausstattung – und als E-Book erhältlich.

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Die ehemaligen Abonnenten haben seitdem vielfach Freude daran, den ursprünglichen Text mit der Buchfassung zu vergleichen. Gleichzeitig sind viele neue Leser hinzugekommen, die Morgen mehr nun als ganz normalen Roman von Tilman Rammstedt lesen.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Frauke Vollmer, stellvertretend für das Team Morgen mehr (Jo Lendle, Nina Reddemann, Angela Kirschbaum, Nora Richter, Annika Schneeweiss, Tony Stubenrauch, Frauke Vollmer)

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