Minimore: Sichtbarkeit für E-Books mittels einer E-Book-Boutique

Kurze Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

MinimoreSeit fast zwei Jahrzehnten arbeiten Marc Degens, Torsten Franz und Frank Maleu als alle3 zusammen. Im Jahr 1996 gründeten sie den Verlag SuKuLTuR. In die Literaturgeschichte eingeschrieben hat sich SuKuLTuR zum einen durch die Veröffentlichung des Romans »Strobo« von Airen, aus dem Helene Hegemann für ihren Bestseller »Axolotl Roadkill« abgeschrieben hat, und zum anderen durch seine Heftreihe »Schöner Lesen«, die seit 10 Jahren in Süßwarenautomaten vertrieben wird. Bis heute konnten auf diese Weise knapp 100.000 Hefte verkauft werden. Zu den Autor*innen zählen inzwischen berühmte und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller*innen wie Ann Cotten, Dietmar Dath, Wolfgang Herrndorf, Monika Rinck oder David Wagner. Im Jahr 2000 hoben die drei das Online-Feuilleton satt.org aus der Taufe.

Am 15. März 2014 ging dann die E-Book-Boutique Minimore zur Leipziger Buchmesse mit zwei Zeitschriften und über hundert Titeln aus acht Verlagen an den Start.

Beschreibung der Idee

Die Idee zur Gründung von Minimore resultierte aus den Erfahrungen der drei Minimore-Macher als Indiebook-Verleger. Seit 2010 veröffentlicht SuKuLTuR seine Lesehefte auch als E-Books zum Preis von 99 Cent und vertreibt diese sowohl über die großen Plattformen als auch über die eigene Webseite. Schnell stellte sich allerdings heraus, dass diese Vertriebswege nicht ausreichend waren. Die drei beschäftigte die Frage, wie man die Sichtbarkeit für das eigene Verlagsprogramm erhöhen könnte, denn vor allen Dingen auf den großen Verkaufsplattformen drohen die E-Books in der Titelflut unterzugehen. Auch andere E-Book-Verlage hatten mit der gleichen Problematik zu kämpfen. Einen wirklichen Überblick über das Verlagsprogramm der digitalen Indiebook-Szene gab es nicht, und anders als im klassischen Buchhandel gibt es im Internet auch kaum engagierten Buchhändler*innen, die sich auskennen, auswählen und sich für das Ungewöhnliche und Abseitige einsetzen. Mit Minimore sollte diese Lücke geschlossen werden.

Inwiefern ist/war die Idee innovativ oder neuartig?

Große Onlineshops verhalten sich wie vollautomatisierte Kaufhäuser, die keine Auswahl liefern, sondern ausschließlich auf Masse setzen. Überall finden sich die gleichen Produktbeschreibungen in einer sterilen Umgebung. Die Dateien und Metadaten werden in die Plattformen oder White-Label-Shops gepumpt, und die Empfehlungen sind unkreativ. An ein vergnügliches Stöbern und Entdecken ist in solch einer Umgebung kaum zu denken.

Im Gegensatz dazu stehen die vielen kleinen Webseiten und Onlineshops der Indie-Verlage, deren Betreiber liebevoll versuchen, ihr Verlagsprogramm zu präsentieren. Interessierte Lesende müssen allerdings sehr genau wissen, über welchen Verlag und welchen Autor sie Informationen wünschen und sich dann von Webseite zu Webseite hangeln. Hier knüpft Minimore an die Tugenden einer guten Buchhandlung an und setzt mit seiner Seite minimore.de auf gut gemachtes Design und eine übersichtliche Darstellung, auf große Coverabbildungen, ansprechende Sortierungen nach Verlagen und Autor*innen, eine sorgfältige Titelauswahl und präzise Beschreibungen. Wichtig ist zudem eine ansprechende Darstellung auf allen Geräten, vor allen Dingen auf Smartphones, dem Hauptlesegerät für E-Books. Und wie es sich für eine kleine Boutique gehört, geschieht dies alles mit echten Menschen und in Handarbeit.

Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen und grundsätzlichen Punkt. So sind die Macher von Minimore der festen Überzeugung, dass die von vielen großen Verlagen angewandte Praxis, ihre E-Books mit einem harten Kopierschutz zu belegen (sogenanntes hartes DRM), falsch ist und den Lesenden das Lesen und den Umgang mit den erworbenen E-Books erschwert. Ein wirksames Mittel gegen illegales Kopieren stellt der Einsatz von hartem DRM jedenfalls nicht dar. Daher haben sich alle Verlage und Self-Publisher, die ihre E-Books auf Minimore anbieten, dazu entschlossen, auf jeglichen Kopierschutz oder digitales Rechtemanagement zu verzichten und so ein Zeichen des Vertrauens und des Respekts gegenüber den Lesenden zu setzen.

Ist/war die Idee ansteckend oder vielleicht sogar stilprägend?

Seitdem minimore.de an den Start gegangen ist, scheint das Thema „Sichtbarkeit von E-Books“ in den unterschiedlichsten Facetten in den Fokus zu geraten. Das enorme Presseecho auf Minimore, die Wahrnehmung als Alternative zu den bekannten großen Online-Shops, die Unterstützung durch die Verlage selbst, all das zeigt, dass die Zeit reif ist für eine faire E-Book-Plattform, die sich dem Schönen und Originellen in der Literatur verschrieben hat.

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

Minimore möchte weiter wachsen und die sonst nur schwer sichtbaren Perlen der Literatur ins rechte Licht rücken. Dazu gehört auch, weitere geeignete Self-Publisher und E-Book-Verlage für Minimore zu begeistern, ohne jedoch auf Übersichtlichkeit und die ansprechende Darstellung zu verzichten.

Inzwischen bietet Minimore mehr als 550 Titel von 28 Verlagen an. Darunter auch einige Titel, die Minimore exklusiv vertreibt und die es ohne die E-Book-Boutique gar nicht geben würde. Minimore hat sich zum Ziel gesetzt, einen Katalog der digitalen Indiebook-Szene zu erstellen und somit erste Anlaufstelle für ausgewählte und außergewöhnliche elektronische Publikationen zu werden.

Die Arbeiten an Minimore sind außerdem noch nicht abgeschlossen. Die Rückmeldungen und Anregungen der Kundschaft werden aufgenommen und sollen dazu dienen, die Handhabung und Navigation auf Minimore sowie die Darstellung der Publikationen kontinuierlich zu verbessern.

Daneben geht es auf Minimore nicht nur um den Verkauf von E-Books. Vielmehr soll die Plattform auch dazu dienen, die Vernetzung der entsprechenden Verlage zu fördern, auf Lesungen, Veranstaltungen und sonstige Informationen rund ums E-Book hinzuweisen. Einen Überblick über diese Aktivitäten erhält man auf der Minimore-Seite durch die so genannten Minipins, eine im Stil von Pinterest gehaltene Sammlung der Social-Media-Aktivitäten von Minimore.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Zoë Beck