Andreas Konrad Huber: 17-jähriger Lehrbuch-Autor mit iBooks Author

Beschreibung des Unternehmens/Akteurs

Lehrbücher Huber
Andreas Konrad HuberAndreas Konrad Huber ist 17 Jahre alt und Schüler am Karl-von-Closen-Gymnasium in Eggenfelden, Bayern. Im Januar 2012 verfolgte er das Bildungsevent von Apple, das nicht zufällig im Guggenheim Museum in New York stattfand, bei dem u.a. das neue (Self-)Publishing-Programm iBooks Author vorgestellt wurde. Guggenheim war ein Philanthrop. Apple stellte Verlagen und Selfpublishern die Software kostenlos zur Verfügung und wollte an jedem Buch 30 Prozent des Verkaufspreises verdienen. iBooks Author ermöglicht es, per Drag&Drop Texte, Fotogalerien, 3D-Objekte und mehr in einem interaktiven Buch zusammenzustellen.

Andreas gefiel der WYSIWYG-Editor und entschied sich ein Autor zu werden. Er kreierte das Lehrbuch „Physik 8“, welches er im September 2013 als eines der ersten deutschen Lehrbücher im iBooks Store veröffentlichte, zum Start für 3,99 Euro. Er bereitete dafür seine Mitschriften aus der Schule auf und recherchierte im Internet. „Physik 8“ war lange Zeit das beliebteste Lehrbuch im iBooks Store Deutschland und ist inzwischen unter den Top 25 Bestsellern in der Kategorie „Wissenschaft und Natur“. Seine zweite Veröffentlichung „Physik 7“ folgte im August 2014.

Beschreibung der Maßnahme/-Strategie

Andreas arbeitete in seiner Freizeit mit Unterbrechungen ein Jahr lang an seinem ersten Lehrbuch „Physik 8“. Er lernte dabei nicht nur noch einmal viel über Physik, sondern vor allem den Umgang mit der Software. Das Thema Urheberrecht war für ihn zunächst Neuland. Er war dann sehr froh, Flickr und Wikimedia Commons gefunden zu haben. Heute gibt Apple iBooks Author Nutzern auf seiner Website Tipps, von wo Inhalte kostenlos, mit den geeigneten Nutzungsrechten bezogen werden können. Mit dem Lehrbuch fertig, stieß Andreas auf ein neues Problem: Als 17-jähriger Schüler besaß er weder eine Kreditkarte noch eine US-Steuernummer, die notwendig waren, um im iBooks Store zu veröffentlichen. Seine digitalen Lehrbücher stünden heute nicht zum Verkauf, wenn er nicht auch dafür eine Lösung gefunden hätte.

Um sein Produkt bekannt zu machen, präsentierte er es in Online-Foren und er bat auf Apple spezialisierte Online-Redaktionen um Erwähnung, die ihm den Gefallen gerne taten.

Auf seiner Website lehrbuecherhuber.wordpress.com präsentiert Andreas seine Apps mit dem Fokus auf Design, Interaktivität und Inhalte: „So schön, so spannend, so interessant kann Lernen sein.“ Die Website zeigt zahlreiche Screenshots und Videos und ist selbst eine preisverdächtige Titelinformation. Die Designsprache ist unverkennbar typisch Apple.

Es darf an dieser Stelle gemutmaßt werden, dass sich die sogenannten Textbooks in naher Zukunft nicht in der deutschen Bildungslandschaft etablieren werden, weil sie ausschließlich auf den Geräten von Apple laufen. „Manche Schulen haben insgesamt nur ein einziges iPad“, sagt Huber dazu im Interview mit Buchreport. In Deutschland möchten Lehrbuchverlage der ansteigenden Nachfrage nach digitalen Lösungen mit einem plattformunabhängigen System begegnen.

Aber diese Nominierung für den Virenschleuder-Preis ist auch nicht dem Unternehmen aus Cupertino gewidmet, sondern in erster Linie dem Schüler Andreas Huber, der im Alleingang ein digitales Lehrbuch herstellte, veröffentlichte, vermarktet und jetzt alle mit seiner Begeisterung für moderne Lehrbücher anstecken möchte.

Inwiefern ist/war die Maßnahme/-Strategie erfolgreich?

Den Verantwortlichen bei Apple gefallen „Physik 8“ und „Physik 7“ so gut, dass sie die Lehrbücher im Bereich „Gut vorbereitet für die Schule“ platzieren und empfehlen. Andreas hat kein Budget für Marketing, aber seine „Marketingmaschine“ läuft trotzdem auf Hochtouren, was sich nicht zuletzt an dieser Nominierung für den Virenschleuder-Preis bemerkbar macht. Andreas‘ Begeisterung ist ansteckend. Seit Jahresanfang bekommt er Interviewanfragen, zuletzt veröffentlichte der Buchreport mit dem schönen Titel: „Mehr als Bücher unter einer Glasscheibe“, wo Huber u.a. erklärt: „Ich zeige mit den Schulbüchern, was mit Medien heutzutage alles möglich ist und wie sie sinnvoll genutzt werden können.“

Ausblick: Wie geht/ging es weiter?

In Deutschland wird längst an der Abschaffung der gedruckten Lehrbücher gearbeitet, weil sie veraltet sind und nicht mehr dem Lern- und Lehrverhalten der Kinder gerecht werden, wie in einem aktuellen Beitrag über das Crowdfunding-Projekt Schulbuch-O-Mat bei Deutschlandradio Kultur nachzulesen ist. Aber nicht nur die Verlage müssen sich bewegen, sondern auch der Staat, denn es „herrscht akuter Lehrermangel. Wenn man die Person nicht hat, die im Unterrichtsraum steht, dann hilft auch das digitale Schulbuch nicht“, so der Biologie-Lehrer Florian Bublys.

Auf der Wunschliste für seine nächsten Veröffentlichungen, stehen bei Andreas interaktive Lehrbücher für die Fächer Deutsch und Latein. Bis es soweit ist, werden wir uns aber noch gedulden müssen. Andreas möchte sich jetzt mehr auf die eigene Schule konzentrieren, in zwei Jahren wird er sein Abitur machen. Wir vom Deutschen eBook Award denken, es wäre nur fair, Andreas Hubers Einstieg in die Publishing-Branche mit dem Virenschleuder-Preis zu krönen und ihn herzlich willkommen zu heißen – bevor er uns nach Kalifornien ausbüxt.

Wer reicht den Vorschlag ein?

Olaf Behnke
Deutscher eBook Award